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Praxisbeispiele

So nachhaltig beschaffen Schweizer Gemeinden:

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Ein Dachgarten der besonderen Art

Auf dem Dach der neuen Anlieferhalle des Kehrichtheizkraftwerks St.Gallen blühen Orchideen, gedeiht eine artenreiche Magerwiese und reifen verschiedene Traubensorten – ganz zur Freude der Natur, der Mitarbeitenden und der Besucherinnen und Besucher.

Der Biodiversität geht es in der Schweiz nicht gut. Die Hälfte der Lebensräume und ein Drittel der Arten sind gefährdet. Die zunehmende Verdichtung setzt Grünflächen im Siedlungsraum unter Druck. Die naturnahe Begrünung von Fassaden und Dächern gibt hier Gegensteuer. Städte und Gemeinden können mit den eigenen Gebäuden mit gutem Beispiel vorangehen und via Bau- und Zonenordnung die Begrünung von privaten Liegenschaften fördern.

Die Stadt St.Gallen macht beides. Die Bauordnung verlangt die Begrünung von Flachdächern mit einer Fläche von mehr als hundert Quadratmetern. Mit gutem Beispiel voran geht sie beispielsweise auf dem Dach der neuen Anlieferhalle des Kehrichtheizkraftwerk, auf welchem ein Garten der besonderen Art realisiert wurde.

Der Natur etwas zurückgeben

Das Kehrichtheizkraftwerk St.Gallen wurde 2014 bis 2017 umfassend saniert und umgebaut. Neben zukunftsfähiger Elektro- und Logistikinfrastruktur ist auch eine neue Anlieferhalle mit einer Dachfläche von mehr als 1500 Quadratmetern entstanden. Motiviert durch Begegnungen mit Urban Farming in den USA suchte Marco Sonderegger, Leiter Entsorgung St. Gallen, nach Möglichkeiten, auf dieser Fläche der Natur etwas zurückzugeben. Im Austausch mit verschiedenen Fachexperten konkretisierte sich das Vorhaben. Realisiert wurde schliesslich eine duale Dachbegrünung, die sowohl Ökologie wie auch urbane Landwirtschaft berücksichtigt. Der Artenvielfalt dient eine Magerwiese mit einheimischen Orchideen. Mithilfe von unterschiedlichen Schichtaufbauen und Substratkombinationen sind hier sieben verschiedene Lebensräume entstanden. Die ökologisch wertvolle Fläche wird ergänzt durch urbanen Rebbau: In 52 Trögen gedeihen insgesamt gut 150 robuste und pilzwiderstandsfähige Rebstöcke.

Ein Gewinn für alle

Extensiv begrünte Dächer haben entscheidende Vorteile: Sie sind ein wahres Paradies für unzählige Pflanzenarten, Wildbienen, Käfer, Spinnen und Vögel. Sie erhöhen die Lebensqualität im Siedlungsraum, indem sie Lärm dämpfen, CO2 und Feinstaub binden, die Umgebungsluft befeuchten und Temperaturschwankungen ausgleichen. Für das Gebäude selber wirken sie als zusätzliche Dämmung, was den Energieverbrauch reduziert. Bei fachgerechter Umsetzung erhöhen sie zudem die Lebensdauer des Daches, da sie schädliche UV-Strahlen absorbieren. Das relativiert die Erstellungskosten der Begrünung, die beim Kehrichtheizkraftwerk St.Gallen rund 180‘000 Franken umfassten. Sie konnten rund zur Hälfte mit Drittmitteln aus verschiedenen Fördertöpfen gedeckt werden. Ein weiterer Nutzen ist aus Sicht von Marco Sonderegger die positive Resonanz und Ausstrahlung des Projekts. «Neben dem neuen Krantheater im Innern des Kehrichtheizkraftwerks ist der Dachgarten ein Magnet für Besucherinnen und Besucher», weiss er. Die Zahl der Führungen hat sich verfünffacht.

Um ein solches Projekt erfolgreich umzusetzen, braucht es nach Erfahrung von Marco Sonderegger vor allem Leute, die die Planung und Umsetzung mit Engagement und Expertenwissen unterstützen. «Ganz wichtig ist die Prüfung der Statik, denn das Gewicht einer solchen Dachbegrünung ist nicht zu unterschätzen», wie Marco Sonderegger betont. Fachliche Unterstützung leisteten der kantonale Rebbaumeister und die Forschungsgruppe Stadtökologie der ZHAW Wädenswil, die mit Studierenden regelmässig die Entwicklung der Magerwiese verfolgt und sie einmal jährlich mäht. Die biologische Bewirtschaftung der Reben übernimmt ein motiviertes Freiwilligenteam aus dem Kreis der Mitarbeitenden. 

Naturnahe Gebäudebegrünung

Auf «Kompass Nachhaltigkeit», der Plattform für nachhaltige öffentliche Beschaffung, steht ein Merkblatt zur naturnahen Gebäudebegrünung zur Verfügung. Neben Hintergrundinformationen verweist es auf erprobte Hilfsmittel und vermittelt übersichtlich praktische Tipps und Empfehlungen für die Gestaltung, Realisierung und Pflege. 

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Um ein solches Projekt erfolgreich umzusetzen, braucht es Leute, welche die Planung und Umsetzung mit Engagement und Expertenwissen unterstützen.

Marco Sonderegger, Leiter Entsorgung St.Gallen

Publikationen

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Kontakt

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Eva Hirsiger
Projektleiterin öffentliche Beschaffung, Standards & Labels
044 267 44 60
eva.hirsiger[at]pusch.ch