Abonnieren Sie News für Gemeinden & Interessierte

Die News für Gemeinden und Pusch-Interessierte informieren Sie 4- bis 6-mal jährlich über aktuelle Umweltthemen, Pusch-Angebote und -Projekte sowie spannende Umsetzungsbeispiele und Hilfestellungen.


Mit Absenden des Formulars erkläre ich mich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Praxisbeispiele

So nachhaltig beschaffen Schweizer Gemeinden:

textilsammlung.jpg

Mit Alttextilien sorgfältig umgehen

Der Bezirk Einsiedeln hat bei der Vergabe der Sammlung, Sortierung und Verwertung von Alttextilien eine gesamtheitliche Abwägung unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien vorgenommen. Den Zuschlag erhielt der Anbieter mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Die Belastungen der Umwelt durch die Textilproduktion sind massiv und eigentlich hinlänglich bekannt. Ins Gewicht fallen insbesondere der enorme Wasserverbrauch und der Pestizideinsatz im konventionellen Baumwollanbau, aber auch die unzähligen Chemikalien, die bei der Textilproduktion zum Einsatz kommen. Diese belasten gleichzeitig die Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Plantagen und in den Produktionsbetrieben, ganz zu schweigen von den oft prekären Arbeitsbedingungen vor allem in den Ländern des Südens.

Abfallmenge steigt rasant

Die Entwicklung zur sogenannten Fast Fashion verschärft die Problematik zusätzlich: Der Konsum von Bekleidung steigt unvermindert an und gleichzeitig verkürzt sich deren Nutzungsdauer. Kleidungsstücke, die eine Saison überleben, sind zur Seltenheit geworden. In der Folge steigen die Abfallmengen markant an. 

Mit ihrem Auftrag, Abfälle möglichst zu vermeiden, können Städte und Gemeinden die Bevölkerung für diese Problematik sensibilisieren. Dennoch bleibt ihr Einfluss auf den Kleiderkonsum der Schweizer Bevölkerung gering. Hingegen können sie mit einer optimalen Altkleidersammlung die negativen Auswirkungen mindern. Wichtig dabei ist in erster Linie eine sorgfältige Sortierung mit dem Ziel, dass das Sammelgut so weit als möglich als Secondhand-Bekleidung in den Kreislauf zurückgeführt werden kann. Ein Secondhand-T-Shirt aus konventioneller Baumwolle beispielsweise verursacht im Vergleich zu einem neuen bis zu 95 Prozent weniger Emissionen, wie eine Studie der Carbotech zeigt.

Kleidung, die nicht mehr tragbar ist, lässt sich zu Putzlappen oder Dämmstoffen verarbeiten. Eine grosse Herausforderung stellt nach wie vor das stoffliche Recycling dar, das heisst die Rückgewinnung von Fasern zur Herstellung neuer Textilien oder anderer hochwertiger Produkte.

Nicht nur den Preis beachten

Als der Bezirk Einsiedeln den Auftrag für die Containersammlung von Altkleidern vor zwei Jahren neu vergab, stand für die Verantwortlichen fest, dass sie neben dem Preis, den sie aus der Sammlung lösen konnten, in einer gesamtheitlichen Abwägung auch Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen wollten. «Als Träger des Labels Energiestadt ist uns der nachhaltige Umgang mit Ressourcen wichtig», so Doris Elmer, Leiterin des Fachbereichs Umwelt und Energie, der auch für die Aufgaben Entsorgung und Recycling zuständig ist. 

Neben einem möglichst hohen Anteil an Altkleidern, der in den Secondhand-Markt gelangt, legten der Fachbereich Umwelt und Energie sowie die Infrastrukturkommission grossen Wert darauf, dass sowohl der Anbieter wie dessen Abnehmerbetriebe die gesetzlichen Auflagen wie beispielsweise das Basler Abkommen über den Export von Abfällen einhalten und faire Arbeitsbedingungen bieten. Wichtig waren dem Auftraggeber auch eine ambitionierte Strategie des Auftragnehmers zur Reduktion der CO2-Emissionen der Fahrzeugflotte und der Logistik sowie Investitionen in Forschung und Entwicklung zur Förderung des stofflichen Recyclings. 

Den Zuschlag erhielt im freihändigen Verfahren schliesslich jener Anbieter, der über ein Umweltmanagementsystem und eine umfassende Nachhaltigkeitsberichterstattung seine diesbezüglichen Erfolge und Bemühungen glaubhaft belegen konnte. Für Doris Elmer ist klar: «Den geringen Preisnachteil nehmen wir dafür gerne in Kauf».

Merkblatt zur Altkleidersammlung

Auf «Kompass Nachhaltigkeit», der Plattform für nachhaltige öffentliche Beschaffung, steht ein Merkblatt zur Altkleidersammlung bereit. Neben Hintergrundinformationen enthält es Textbausteine, die direkt in eine Ausschreibung integriert werden können. Zudem steht hier auch der neue Muster-Konzessionsvertrag für private Dienstleister zum Download zur Verfügung, welchen das Bundesamt für Umwelt für die Gemeinden erarbeitet hat.

Zurück zur Übersicht

Als Träger des Labels Energiestadt ist uns der nachhaltige Umgang mit Ressourcen wichtig.

Doris Elmer, Leiterin Fachbereich Umwelt und Energie, Bezirk Einsiedeln

Publikationen

Titelbild Thema Umwelt Ausgabe 2/2021
3/2021

Mehr Gewicht für nachhaltige Beschaffung

Das totalrevidierte Beschaffungsrecht hat einen Paradigmenwechsel in der öffentlichen Beschaffung ermöglicht. Ökologische und sozialverträgliche Kriterien erhalten einen höheren Stellenwert. Neu geht der Zuschlag an das vorteilhafteste Angebot – und was dieses beinhaltet, bestimmen die Beschaffenden. Nun braucht es die Exekutive, die bereit ist, einen Unterschied zu machen.

Titelseite Thema Umwelt 1/2020
1/2020

Öffentliche Beschaffung und Kreislaufwirtschaft

Der Ressourcenverschleiss und das damit verbundene riesige Abfallaufkommen hierzulande sind gigantisch. Zwei Drittel der durch die Schweiz verursachten Klimabelastung stammen aus dem Import von Produkten und Rohstoffen. Die Kreislaufwirtschaft hat grosses Potenzial, hier Gegensteuer zu geben. Denn mit der Verlängerung der Nutzungs- und Lebensdauer von Produkten wird langfristig der Rohstoffverbrauch reduziert und die Umweltbelastung gesenkt.

Titelseite Thema Umwelt 1/2018
Thema Umwelt 1/2018

Innovativ und nachhaltig beschaffen

An der Schnittstelle von nachhaltiger öffentlicher Beschaffung und Innovationsförderung schlummert ein enormes Potenzial: Zukunftsorientierte Beschaffung kann Geld sparen sowie sinnvolle und notwendige Innovationen auslösen. Trotz vieler Vorteile kommen neue Technologien und innovative Beschaffungsprozesse im öffentlichen Bereich nach wie vor zu selten zum Einsatz. Das muss sich ändern.

Thema Umwelt 1/2017

Nachhaltige öffentliche Beschaffung - eine Chance für Unternehmen

Von einer nachhaltigen öffentlichen Beschaffung, die auf echten Leistungswettbewerb statt Preiskampf setzt, profitieren alle: die Umwelt, die Gesellschaft, die öffentliche Hand und insbesondere innovative, qualitätsbewusste Unternehmen.

Thema Umwelt 03/2016

Den Gebäudepark sanieren: neue Gesetze und Instrumente

Der Gebäudesektor spielt eine wichtige Rolle für die Schweizer Klimaziele. Die Potenziale für mehr Klimaschutz sind gross, das technische Knowhow dazu ist vorhanden. Neubauten sind bereits auf gutem Weg. Die grosse Herausforderung liegt im Bestand. Um die Sanierungsrate zu erhöhen, braucht es einen guten Mix an Auflagen, Fördergeldern und Information.

Thema Umwelt 2/2016

Öffentliche Beschaffung: fair und ökologisch

Beschaffen Bund, Gemeinden und Kantone nachhaltig, nehmen sie ihre Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft wahr und verhindern Reputationsrisiken. Doch führt dies zu untragbarem Mehraufwand? Im Gegenteil: Nachhaltige Beschaffung senkt nicht nur die Umweltbelastung, sondern auch die Kosten.«Thema Umwelt» diskutiert die Notwendigkeit und Chancen einer sozial- und umweltverträglichen Beschaffung und zeigt auf, wie Gemeinden eine nachhaltige Beschaffung umsetzen können.

 

Kontakt

eva-hirsiger.jpg

Eva Hirsiger
Projektleiterin öffentliche Beschaffung, Standards & Labels
044 267 44 60
eva.hirsiger[at]pusch.ch