Mehr Natur in der Gemeinde

Mehr Natur in den Gemeinden

Die Bevölkerung wünscht sich mehr und vielfältige Natur – im Garten, im Siedlungsraum und im Naherholungsgebiet. Biodiversität ist aber nicht nur für die Lebensqualität essentiell, sondern sie bildet die Grundlage unserer Existenz. Der anhaltende Biodiversitätsschwund in der Schweiz ist deshalb umso alarmierender. Gemeinden können viel dazu beitragen, diese Entwicklung zu stoppen. Schon mit wenig Aufwand, wie etwa der naturnahen Pflege von Grünflächen, Hecken und Gewässern, können sie qualitativ hochwertige Lebensräume fördern und vernetzen. Pusch unterstützt sie dabei, das grosse Potenzial zu nutzen, sei es durch Kurse, Publikationen oder mit Praxisbeispielen.

«Naturoasen, jetzt!»

Gemeinsam mit Gemeinden und Schulen will Pusch 20'000 m² neue Biodiversitätsflächen schaffen. Sie möchten in Ihrer Gemeinde eine Naturoase umsetzen? Wir unterstützen Sie mit einer Anschubfinanzierung, Fachwissen, einer Biodiversitäts-Toolbox sowie einem digitalen Netzwerk, das wertvollen Austausch ermöglicht. 

Bewusst wie! − Umweltschutz zu Hause

Mancher Haushaltsschrank gleicht einem Chemiebaukasten. Bis zu 5000 Chemikalien wie Pestizide, Lacke und Reiniger finden sich darin. Vielen ist nicht bewusst: Diese Produkte können Umwelt und Gesundheit massiv schädigen. Die neue Plattform «Bewusst wie!» zeigt, wo die Gefahren liegen und wie es auch ohne geht. Die umfangreichen Informationen dienen Gemeinden als Quelle für ihre Öffentlichkeitsarbeit und unterstützen sie dabei, ihre Bevölkerung für das wichtige Thema zu sensibilisieren. Aktionsideen und Textmaterial für die eigenen Kanäle und Medien verleihen der kommunalen Umweltkommunikation Rückenwind. 

Naturpfade App

Sie wollen Ihre Natur-Hotspots sichtbar machen? Mit der interaktiven Naturpfade App fügen Sie biodiverse Flächen auf Schul-  und Gemeindegebiet zum begehbaren Naturpfad zusammen.

Kurse und Tagungen

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18. Mai 2021, Tageskurs, Birsfelden

Naturnahe Grünflächenpflege im Siedlungsraum (ausgebucht)

Attraktive naturnahe Frei- und Grünflächen wirken sich positiv auf die Lebensqualität und den Erhalt der Biodiversität aus. Lernen Sie den… mehr

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8./9./10. Juni und 26./27. Oktober 2021, Zertifikatskurs

Gewässerwart – Pflege und Unterhalt

Der Unterhalt von Gewässern ist eine aufwendige und anspruchsvolle Aufgabe, die den Hochwasserschutz, die Förderung der Biodiversität und die… mehr

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15. Juni und 7./21. September 2021, Mehrtageskurs

Revitalisierung von Fliessgewässern – Grundlagen für die Planung

Der dreitägige Kurs gewährt Einblicke ins Ökosystem Fliessgewässer und in verschiedene naturnahe Revitalisierungsprojekte. Sie lernen Fliessgewässer… mehr

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10. September 2021, Tagung, Biel

Naturnah, vielfältig, verbindend – Landschaften für mehr Lebensqualität

Wie können Gemeinden und Regionen hochwertige Landschaften schaffen und so die Standortattraktivität erhöhen, Freiräume sichern und Lebensräume… mehr

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Herbst 2021, Runder Tisch

Erfahrungsaustausch Biodiversitätsförderung

Pusch organisiert einen Runden Tisch für Gemeindevertreterinnen und -vertreter zum Thema Biodiversitätsförderung im Siedlungsraum. Nutzen Sie die… mehr

Publikationen

Zwei Mädchen geniessen ihr naturnahes Umfeld - Titelbild Thema Umwelt
1/2021

Landschaften für Mensch und Natur

Naturnah, vielfältig, verbindend - Landschaften sind entscheidend für mehr Lebensqualität. Wie können Gemeinden und Regionen hochwertige Landschaften schaffen und so die Standortattraktivität erhöhen, Freiräume sichern und Lebensräume aufwerten? Gekonnte raumplanerische Massnahmen und verstärkte Zusammenarbeit sind wichtige Erfolgsfaktoren.

Titelseite Thema Umwelt 202
2/2020

Biodiversität in Zeiten des Klimawandels

Der Klimawandel und seine Auswirkungen stellen Gemeinden und Städte vor neue Herausforderungen. Mit den richtigen Massnahmen sind sie jedoch in der Lage, den Siedlungsraum an die wachsende Hitzebelastung anzupassen und gleichzeitig einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität zu leisten.

2/2019

Attraktive Siedlungsränder für Mensch und Natur

Siedlungsränder können eine Vielzahl von Funktionen erfüllen. Sie dienen als Erholungs- und Bewegungszonen und vernetzen wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Nicht zuletzt statten sie Gemeinden mit einer mehr oder weniger attraktiven Visitenkarte aus. Es lohnt sich also, die Ränder vermehrt in den Fokus zu rücken.

4/2018

Mehr Biodiversität in der Gemeinde dank freiwilligem Engagement

Neophyten bekämpfen, Lebensräume pflegen, die biologische Vielfalt fördern, Naherholungsgebiete aufwerten oder Siedlungen begrünen: Freiwilliges Engagement der Bevölkerung bei der Planung und Umsetzung
von Massnahmen zur Förderung der Biodiversität ist ein Gewinn für alle.

Thema Umwelt 4/2017

Grünere Siedlungen für Mensch und Natur

Grünräume im Siedlungsraum sorgen für Lebensqualität und Naturbegegnungen im Alltag. Sie schaffen Lebensraum für Tiere und Pflanzen und mindern die Auswirkungen des Klimawandels. Die Potenziale sind gross und alle können davon profitieren – das zeigen die Beispiele vieler Gemeinden, die sich für mehr Siedlungsnatur einsetzen.

Thema Umwelt 4/2016

Ein Netz für die Natur

Biodiversität ist auf genügend Raum angewiesen. Doch die Natur kommt in der Schweiz oft zu kurz. Siedlungen und Strassen zerschneiden Lebensräume. Ein Paradigmenwechsel vom «Restflächennaturschutz» zur grossräumigen Planung und Vernetzung ist angesagt. Gemeinden spielen dabei eine grosse Rolle.

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Wie sich die Natur die Worble zurückerobert hat

Die Revitalisierung von Fliessgewässern ist wichtig für den Hochwasserschutz, die Biodiversität und das Landschaftsbild. Um diese Gewässerfunktionen langfristig zu erhalten, braucht es vor allem eine umsichtige Pflege, wie das Beispiel der Worble im Kanton Bern zeigt.

Heftige Gewitter und sintflutartige Niederschläge haben in der Berner Gemeinde Worb vor allem in den Jahren 2006 und 2007 wiederholt zu schweren Überschwemmungen geführt. Heute ist die Gefahr weitgehend gebannt. Denn parallel zum Bau von zwei Rückhaltebecken haben die Behörden 2016 die Worble auf einer Länge von rund vier Kilometern aus ihrem viel zu engen Betonkorsett befreit und an den Dorfrand verlegt.

Mit dem Bau des neuen Bachbetts und der Erstbepflanzung waren die Arbeiten aber nicht zu Ende. «Eigentlich fingen sie erst jetzt so richtig an», erklärt Werkhofmitarbeiter Mike Wittwer. Er ist mit seinem Team für die Pflege und den Unterhalt des revitalisierten Gewässers zuständig. Mit regelmässigen Einsätzen, verteilt über das ganze Jahr, sorgt das Gewässerpflegeteam dafür, dass sich die Natur die Worble zurückerobern und der Bach das Wasser und Geschiebe sicher ableiten kann. Die einzelnen Arbeitsschritte erfolgen nach einem detaillierten Pflegeplan, der auf viel Engagement, Experimentierfreude, genauer Beobachtung und grosser Sachkenntnis beruht.

Gestartet wird im Frühling mit der Bekämpfung von Neophyten. In den ersten Jahren benötigte das Ausgraben und Mähen dieser standortfremden Problempflanzen gemäss Wittwer viel Zeit. «Doch mittlerweile genügen wöchentliche Durchgänge im April und regelmässige Nachkontrollen über die Sommermonate.»

Mosaikartige Strukturierung der Lebensräume

Ab Mitte Juni folgt dann das abschnittweise Mähen der Wiesen im Uferbereich. Damit das Schnittgut der artenreichen Magerwiesen versamen kann, bleibt es einige Tage liegen oder wird auf eine andere Wiesenfläche verteilt, um dort die Artenvielfalt zu erhöhen. Dabei mähen Mike Wittwer und seine Leute auf beiden Uferseiten immer nur einzelne Abschnitte, um eine mosaikartige Strukturierung zu erreichen. 

Dieses Prinzip verfolgen sie bei allen Pflege- und Aufwertungsmassnahmen, so auch beim Zurückschneiden von Gehölzen, Hochstauden oder Röhricht. Die Restbestände belassen sie als Unterschlupf- oder Überwinterungsstandorte für Vögel, Insekten und Kleintiere. Ein solch standortgerechter Uferbewuchs bietet die nötige Beschattung der Bachsohle, stabilisiert die Böschungen, sorgt für einen sanften Übergang zwischen Wasser und Land und vernetzt die Lebensräume. Die Zusammenarbeit und der Wissensaustausch mit den Landwirten, welche einen Teil der Pflegearbeiten im Gewässerraum umsetzen, ist sehr wichtig. So können sie die Wiesen und Hecken als Biodiversitätsförderflächen anmelden, für die der Bund Qualitätsbeiträge ausrichtet, und sie werden im Gegenzug für die Ziele der Gemeinde sensibilisiert.

Kleinstrukturen zur Förderung der Fauna

Junge Ufergehölze werden in den ersten zwei bis drei Jahren freigeschnitten, damit sie sich gut entwickeln können. Wird der Bewuchs zu dicht, lichtet ihn das Gewässerpflegeteam aus oder schneidet ihn punktuell ganz zurück, um den Lebensraum von Libellen aufzuwerten. Mit Asthaufen und besonnten Steinhaufen werden weitere Kleinstrukturen zur Förderung der Fauna geschaffen.

Bäume und Wildhecken werden jährlich kontrolliert. Alle zwei Jahre wird in den Wintermonaten rund ein Drittel der schnell wachsenden Gehölze für die Verjüngung auf den Stock geschnitten und rund ein Drittel der langsam wachsenden Sträucher ausgelichtet. «Gehölze wie Kreuzdorn, Pfaffenhütchen oder Schneeball, die erst nach rund drei Jahren Früchte tragen, schneiden wir im Rhythmus von vier bis fünf Jahren», erklärt Wittwer «Denn die Beeren sind eine willkommene Nahrungsquelle für zahlreiche Vogelarten.»

Schnittgut von Bäumen und Sträuchern verarbeiten Mike Wittwer und sein Team zu Bündeln, sogenannten Faschinen, die sie für die Sicherung von abgerutschten Uferstellen oder unterspülten Engstellen einsetzen. Arbeiten an der Gewässersohle erfolgen jeweils zu Beginn des Herbstes. Dabei werden in Rücksprache mit dem kantonalen Fischerei-Inspektorat Verlandungen und der übermässige Bachkresse-Bewuchs entfernt, um die Abflusskapazität zu erhöhen. Zudem wird wo nötig die Niedrigwasserrinne geöffnet. 

Weniger ist oft mehr

Bei allen Arbeiten beachten Wittwer und sein Team Schonzeiten und die besonderen Bedürfnisse seltener Arten wie Frösche, Eidechsen, Fische oder Libellen. So verzichten sie während der Laichzeit von Fischen auf Eingriffe in die Gewässersohle und während der Brutzeit der Vögel auf das Zurückschneiden von Bäumen und Gehölzen. Zudem werden die Arbeiten wenn immer möglich mit Schere, Sense, Pickel und Plackeneisen von Hand ausgeführt. «Wenn man früh genug dran ist, lässt sich damit fast alles machen», weiss Wittwer. Und nicht selten lassen sie die Natur einfach gewähren. Denn Totholz, Abbruchufer, unterspülte Wurzelstöcke oder Brennesselnester sind wertvolle Biotope für Flora und Fauna.

Sichtbare Erfolge

«Nach vier Jahren Erfahrung können wir sagen, wir haben die gesteckten Ziele erreicht», stellt Mike Wittwer fest. «Die vielseitigen Arbeiten draussen in der Natur und das Miterleben, wie sich die Tier- und Pflanzenwelt weiterentwickelt, machen viel Freude.» Eine standortgerechte Pflanzen- und Tierwelt hat sich etabliert. Selbst den gefährdeten Neuntöter, den Vogel des Jahres 2020, konnte Wittwer beobachten. Die Entwicklung von Flora und Fauna freut auch die Bevölkerung, wie viele Rückmeldungen von Passantinnen und Spaziergängern belegen. Für sie schneidet das Gewässerpflegeteam regelmässig Sichtfenster frei, damit sie an dafür geeigneten Stellen freien Blick und Zugang zum lebendigen Gewässer erhalten.

Zertifikatslehrgänge von Pusch

Pusch führt regelmässig Zertifikatslehrgänge zur Gewässerpflege und zur Revitalisierung von Fliessgewässern durch.

KURSE & TAGUNGEN

Gewässerwart – Pflege und Unterhalt
Der fünftägige Zertifikatslehrgang macht die Teilnehmenden zu Profis in Gewässerunterhalt und Gewässerpflege. Die praxisnahen Methoden und die Vertiefung im Feld sichern die Umsetzbarkeit im beruflichen Alltag.

Revitalisierung von Fliessgewässern – Grundlagen für die Planung
Der dreitägige Lehrgang gewährt Einblicke ins Ökosystem Fliessgewässer und in verschiedene naturnahe Revitalisierungsprojekte. Die Teilnehmenden lernen, Fliessgewässer ökologisch zu beurteilen und ein konkretes Revitalisierungsvorhaben zu entwickeln, das wertvolle Lebens- und Erholungsräume bietet. 

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Die vielseitigen Arbeiten draussen in der Natur und das Miterleben, wie sich die Tier- und Pflanzenwelt weiterentwickelt, macht viel Freude.

Mike Wittwer, Werkhofmitarbeiter und Teamleiter Gewässerpflege, Gemeinde Worb BE

 
Biodiversität sichert unser Überleben und ist von grösstem volkswirtschaftlichem Wert.

Alt-Bundesrätin Doris Leuthard

Leitfaden Biodiversität

Ein Leitfaden für mehr Biodiversität in Gemeinden.

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Kontakt

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Pascal Blarer
Projektleiter Biodiversität
044 267 44 46
pascal.blarer[at]pusch.ch