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Nachhaltige Beschaffung – nachhaltig umgesetzt

Die Stadt Luzern hat eine Richtlinie für eine nachhaltige Beschaffung erarbeitet. Die Pilotphase des Projekts endet vielversprechend und lässt alle Beteiligten motiviert in die Zukunft blicken.

25 Park- und Grünanlagen, 16 Familiengartenanlagen und rund 11 000 Stadtbäume: An Grünraum mangelt es in der Stadt Luzern nicht. Und er ist hochwertig, denn seit 2017 darf sich die Stadt «Grünstadt Schweiz» nennen und orientiert sich bei der Beschaffung von Garten- und Grünprodukten an den Vorgaben dieses Labels für nachhaltiges Stadtgrün. So stammt ein Grossteil der Stadtpflanzen aus biologischem Anbau, es kommt torffreie Erde zum Einsatz und die Arbeitskleidung der Stadtgärtnerei-Mitarbeitenden erfüllt ökologische und soziale Kriterien.

Festgehalten sind die Grundsätze für eine nachhaltige Beschaffung der Stadt Luzern in einer vom Stadtrat im Juni 2020 beschlossenen Richtlinie. Mit einer ambitionierten Netto-Null-Strategie bis 2040, dem Aktionsplan «Luft, Energie, Klima 2015» und dem Bewusstsein über die eigene Vorbildfunktion ging die Stadt das umfassende Thema der nachhaltigen Beschaffung aktiv an. Die Projektleiterin Sibylle Sautier aus dem Team Luftreinhaltung, Energie, Klima erinnert sich an die Anfänge: «Wichtig waren uns zum einen die Rückendeckung des Stadtrats und der Finanzdirektion. Zum anderen haben wir uns die Zeit genommen, die Erstkontakte mit allen Beteiligten sorgfältig herzustellen und ihnen Verantwortung zu übertragen. So entwickelte sich eine echte interdisziplinäre Zusammenarbeit.»

Das Klopapier fährt EURO 5

Von Fahrzeugen, Reinigungsmitteln, Toilettenpapier, Büromaterialien und Leuchtmitteln über Treibstoffe oder Heizöl bis hin zur IT-Infrastruktur, zu Textilien, Spielgeräten oder eben Grünprodukten – die Richtlinie legt mit konkreten Kriterien fest, worauf beim Einkauf zu achten ist, um die Klima- und Nachhaltigkeitsziele der Stadt zu erreichen. So sollen keine Reinigungsmittel mit gewässergefährdenden Inhaltsstoffen wie Phosphor oder schlecht abbaubaren Tensiden zum Einsatz kommen. Treibmittel in Sprays sind genauso ein Ausschlusskriterium wie tropische Hölzer bei den Büromöbeln. Handseifen müssen ein Umweltzeichen wie beispielsweise den «blauen Engel» besitzen und neue Fahrzeuge sind, wann immer möglich, elektrisch angetrieben. Ersetzt werden die Produkte allerdings erst, wenn sie aufgebraucht sind, oder ihr Lebensende erreicht haben – wie zum Beispiel Leuchtmittel. Sind ökologische Alternativen teurer, entscheiden die Dienstabteilungen innerhalb ihres Budgets. Eine Ausnahme bilden die Gasheizungen: Da ein Umstieg auf Biogas eine Verdoppelung der Kosten nach sich ziehen würde, wird dieses Geld stattdessen in den Umstieg auf fossilfreie Heizsysteme investiert.

Luzern setzt auf umweltschonenden Transport statt auf grosse Lager: So wird beispielsweise das Klopapier – von dem die Stadt pro Jahr rund 80 000 Rollen verbraucht und das zu 100% aus Recyclingpapier bestehen muss – regelmässig angeliefert. Aus diesem Grund fordert bereits die Ausschreibung, dass die Transportfahrzeuge mindestens der Abgasnorm EURO 5 entsprechen müssen.

Bei genauem Hinsehen fällt auf, dass das Thema Verpflegung nicht Teil der Richtlinie ist. Sautier klärt auf: «Die städtischen Schulen und Heime beschaffen die Lebensmittel selbstständig. Sie haben eigene Nachhaltigkeitskonzepte und streben das Label «Fourchette verte» an, ein Qualitätslabel für gesunde Ernährung». Für weniger Foodwaste werden auch schon mal die Schüler:innen zu ihren Essensvorlieben befragt.

Reger Austausch mit Pusch und anderen Städten

Sorgte die Idee der nachhaltigen Beschaffung noch vor einigen Jahren vielerorts für Stirnrunzeln, stösst sie heute auf viel Verständnis. Das stellt Sautier auch bei den städtischen Einkäuferinnen und -einkäufern fest: «Die Rückmeldungen sind äusserst positiv, ich spüre eine grosse Motivation und wir pflegen einen guten Austausch».

Doch nicht nur die Kommunikation in den eigenen Reihen ist wichtig, auch der Austausch mit anderen Städten und Gemeinden ist unabdingbar: In der Regionalkonferenz Umweltschutz (RKU), tauschen sich elf Luzerner Gemeinden aus und rufen gemeinsame Projekte ins Leben. Wertvolle Inputs erhält die RKU von Pusch, was unter anderem zum Pilotversuch der koordinierten öffentlichen Beschaffung führte. 2022 nimmt sich die RKU in einem Projekt der nachhaltigen Beschaffung an. Eine gute Gelegenheit, sein Netzwerk zu pflegen, bieten auch die Kurse und Tagungen von Pusch, die Sautier und ihre Mitarbeitenden regelmässig besuchen. Die Kontakte erweisen sich im Alltag als hilfreich: «Ich erkundige mich gerne bei den Nachhaltigkeitsverantwortlichen anderer Städte, wie sie bestimmte Herausforderungen angehen», so Sautier, die sich auch im Vorstand der Interessensgemeinschaft nachhaltige öffentliche Beschaffung (IGÖB) engagiert. Bei Fragen stossen Sautier und ihr Team bei Pusch stets auf offene Ohren und die Merkblätter der Plattform «Kompass Nachhaltigkeit» zählen zu den Wegbegleitern im Beschaffungsalltag.

Routiniert in die nachhaltige Zukunft

Die Pilotphase des Projekts neigt sich dem Ende zu. Nun gilt es, zahlreiche qualitative und quantitative Daten auszuwerten. Ist die Richtlinie verständlich formuliert, wo entstanden Missverständnisse, muss der Text angepasst werden? Befragungen der Beschaffungsverantwortlichen geben Aufschluss: Wurde beispielsweise beim Einkauf neuer Arbeitskleidung das Textilien-Merkblatt berücksichtigt und falls nicht, was waren die Gründe?

Das Projekt zieht bereits Kreise, freut sich Sautier: «Unser Büromaterial-Lieferant hat uns nicht nur eine praktische Einkaufsliste mit umweltfreundlichen Produkten zusammengestellt, sondern gleich sein gesamtes Sortiment hinsichtlich Nachhaltigkeit unter die Lupe genommen».

Für die Zukunft geht es Sautier nun darum, Routine aufzubauen. Während die Einkaufsverantwortlichen ihr Wissen festigen und Erfahrung sammeln, wird Sautier die Fühler weiterhin schweizweit ausstrecken, um interessante Entwicklungen nach Luzern zu holen: «Den Grundstein für ein nachhaltiges Beschaffungswesen haben wir erfolgreich gelegt und ich freue mich auf viele weitere interessante Aufgaben.»

Autorin: Eva Hirsiger, Projektleiterin öffentliche Beschaffung, Standards & Labels
Bild: Stadt Luzern

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Nadine Siegle
Projektleiterin Kommunikation, Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
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