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Networking für mehr Biodiversität

Die Förderung der Biodiversität über die Gemeindegrenzen hinaus bietet viele Vorteile. Die regionale Zusammenarbeit stellt aber viele Gemeinden vor neue Herausforderungen. Anhand der Erfahrungen in der Pfannenstil-Region und im Knonauer Amt erarbeitet Pusch ein Instrumentarium, das beim Aufbau regionaler Biodiversitätsnetzwerke hilft.

Städte und Gemeinden sind zentral für die Umsetzung der Strategie Biodiversität Schweiz und des dazugehörigen Aktionsplans des Bundes. Die Natur endet aber nicht an der Gemeindegrenze. Meist bildet eine ganze Region eine ökologische Einheit. Deshalb lohnt es sich, bei der Biodiversitätsförderung über das eigene Gärtchen hinauszudenken und auf regionale Zusammenarbeit zu setzen. So entstehen überkommunal vernetzte Lebensräume und wertvolle fachliche wie auch finanzielle Synergien. 

Trotz dieser Vorteile sieht die Realität heute anders aus: Projekte zur Förderung der Biodiversität werden häufig lokal – auf das eigene Gemeindegebiet beschränkt – umgesetzt. Eine der Hürden liegt in den fehlenden Strukturen für ein gemeinsames Vorgehen. 

Startschuss – aber wie?

Wie man diese Herausforderung anpackt, lässt sich derzeit im Knonauer Amt beobachten. Durch die Initiative der Stiftung Pusch haben mehrere Gemeinderätinnen und Gemeinderäte der Region und die Standortförderung Knonauer Amt die Vorteile erkannt, die ein koordiniertes regionales Vorgehen verspricht. Gemeinsam bauen sie nun eine Organisationsstruktur auf, um überkommunal und langfristig die Biodiversität zu fördern. Doch wie geht man ein solches Projekt an? Der Grundsatzentscheid ist gefallen, und jetzt? 

«Wir haben eine kleine, aber gut abgestützte Kerngruppe gebildet, aus Gemeinderäten und Vertretern der Standortförderung», erklärt Nathanaël Wenger, Knonauer Gemeinderat und Leiter des neuen Zusammenschlusses. In einem ersten Schritt lancierten die Beteiligten das «Naturnetz Knonauer Amt» – mit Medienpräsenz, digital und analog. Nun folgt eine ausführliche Standortbestimmung. Denn damit ein funktionierendes Biodiversitätsnetzwerk entstehen kann, müssen weitere Player ins Boot geholt und die Bereiche mit dem grössten Handlungsbedarf herausgeschält werden. Das Ziel ist zunächst eine «Kartierung der Akteure».

Über digitale Kanäle

«In einem ersten Workshop im Juni wollten wir die wichtigsten Zielgruppen abholen und herausfinden, wo der Schuh drückt», so Wenger. Doch die Corona-Pandemie erschwerte den Projektstart in seiner ursprünglich geplanten Form – die Organisatoren mussten den Workshop auf 2021 verschieben. «Das hat uns kreativ gemacht. Wir haben auf digitale Kanäle gesetzt und über einen Youtube-Kanal und eine Facebook-Seite mit der Sensibilisierungsarbeit begonnen.» Das Naturnetz veröffentlichte bereits mehrere Videos, in denen unterschiedliche Beteiligte erläutern, welche Überlegungen hinter der regionalen Zusammenarbeit in der Biodiversität stecken, was sie sich davon erhoffen oder welche Rolle die Landwirtschaft in diesem Bereich spielt. Wenger zeigt sich zufrieden mit dem digitalen Startschuss: «Unsere Social-Media-Aktivität fand Anklang bei der Bevölkerung.»

Fragebogen für Standortbestimmung

Gleichzeitig erarbeitete das Naturnetz eine Umfrage für die relevanten Akteure. Damit wollen Wenger und seine Kollegen herausfinden, was in Sachen Biodiversitätsförderung in der Region bereits läuft, wo das Bedürfnis nach mehr Vernetzung besteht und welche Massnahmen mit den verfügbaren Mitteln realistisch sind. «So können wir uns im Workshop im Januar bereits konkreten Fragen widmen, die sich aus den Umfrageresultaten ergeben haben. Wir fangen also nicht mehr bei null an», sagt Wenger.

Neben lokalen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Landwirtschaft und Umweltschutz will das Naturnetz mit der Umfrage insbesondere auch Fachpersonen aus der Forstwirtschaft sowie Werkhofmitarbeitende aus dem Bereich der Siedlungsbiodiversität erreichen. Vor allem letztere Zielgruppe ist für Wenger wichtig für das Gelingen der Zusammenarbeit: «Die Biodiversität im Siedlungsraum wird ein Schwerpunkt des Naturnetzes Knonauer Amt sein. Dort sehen wir viel Nachholbedarf», betont er. Bislang seien bereits viele Rückmeldungen aus der Landwirtschaft eingegangen. Noch mehr Feedback wünscht sich Wenger etwa aus den Werkhöfen.

Verbindendes Element

Ein Naturnetz entsteht nicht von heute auf morgen. Für eine effiziente und langfristige regionale Zusammenarbeit, für ein erfolgreiches Biodiversitätsnetzwerk, müssen neue Verbindungen geknüpft werden – und das braucht Zeit. Im Knonauer Amt steckt die regionale Biodiversitätsförderung noch in den Kinderschuhen und wächst nun in kleinen Schritten. «Die Lancierung war ein positiver Schritt in die richtige Richtung, in der die Zusammenarbeit im Fokus steht», ist Wenger überzeugt. Zum einen habe man erkannt, dass die Solidarität in der Vergangenheit etwas unter Druck geraten sei. Zum anderen zeige sich nun auch deutlich, dass gewisse bestehende Strukturen schon gut funktionieren. «Mit dem positiven Thema Biodiversität kann das Naturnetz Knonauer Amt auch eine verbindende Funktion in unserem Bezirk wahrnehmen.»

Auf langjährige Erfahrung zurückgreifen

Unterstützung erhält das Knonauer Amt aus der Pfannenstil-Region. Dort hat die Idee des Naturfördernetzwerks schon eine lange Tradition. Das Naturnetz Pfannenstil ist seit 20 Jahren aktiv und dient heute als Vorbild für neue Naturnetze. Das Zürcher Planungs- und Beratungsbüro Quadra GmbH leitet das Netzwerk seit vielen Jahren und setzt Biodiversitätsprojekte in der Region um. Dabei hat die Erfahrung gezeigt: «Die Beteiligten müssen die Vorteile der regionalen Zusammenarbeit erkennen und dazu motiviert sein. Die Motivation ist der ausschlaggebende Punkt beim Aufbau eines Naturnetzes», erklärt Michael Thalmann von Quadra. Und dafür stehen die Zeichen im Knonauer Amt gut. «Die Region hat heute schon ein eigenes, regionales Identitätsempfinden und gut verankerte Leute in der Politik und Standortförderung.» Wie ein Naturnetz schliesslich konkret organisiert werde, zum Beispiel als Verein oder an die Standortförderung angeknüpft, sei dabei zweitrangig. Wichtig sei, dass die Vernetzung aus der Region heraus angestrebt werde, betont Thalmann. 

Instrumentarium mit konkretem Know-how

Basierend auf den Erfahrungen des Naturnetzes Pfannenstil und den ersten Schritten im Knonauer Amt erarbeiten Pusch und Quadra nun gemeinsam ein Instrumentarium. Eine erste Version davon erscheint Ende Jahr und unterstützt Gemeinden und Regionen als Umsetzungshilfe beim Aufbau von neuen Naturnetzen. 

Das Instrumentarium zeigt zunächst die Vorteile der überkommunalen Zusammenarbeit in Biodiversitätsangelegenheiten auf. «Gemeinden behandeln die Biodiversität häufig etwas stiefmütterlich. Zum Teil erkennen sie die Vorteile einer intakten Landschaft und hohen Biodiversität für ihren Standort noch zu wenig», bedauert Thalmann. Bei vielen würden aber auch einfach die Ressourcen fehlen. Der Spardruck ist hoch. Doch gerade hier sieht er grosses Potenzial in der regionalen Vernetzung: In einem Naturnetz könne man so viele Synergien nutzen, dass eine einzelne Gemeinde viel weniger Ressourcen freischaufeln müsse, als wenn sie stattdessen etwas im Alleingang machen würde. Thalmann betont aber: «Ohne Anfangsaufwand geht es nicht. Es muss ein Grundstein gelegt werden.» Und genau daran würden regionale Zusammenschlüsse häufig scheitern. «Gemeinden sind es nicht gewohnt, intensiv zusammenzuarbeiten.»

Regionale Biodiversitätsnetzwerke multiplizieren

Das Instrumentarium will motivierte Gemeinden deshalb schrittweise an die Vernetzungsarbeit heranführen. Es zeigt beispielsweise wichtige Projektschritte und Meilensteine auf, skizziert Rahmenbedingungen auf organisatorischer Ebene oder erläutert Finanzierungsmöglichkeiten. Die Schwierigkeit dabei: «Jede Region ist anders, genauso wie die verschiedenen Netzwerke und Verstricke, die teilweise schon bestehen», so Thalmann. Die Entstehung eines Naturnetzes sei höchst individuell. 

Im Instrumentarium werden die Erfahrungswerte des Naturnetzes Pfannenstil aus den letzten 20 Jahren gewissermassen verallgemeinert. «Unser Netzwerk zeigt beispielhaft auf, was man erreichen kann und wo die Stolpersteine liegen.» Gestützt darauf bietet das Instrumentarium Anhaltspunkte für organisatorische Entscheide, planerische Grundlagen und Empfehlungen für das gemeinsame Vorgehen. Die Umsetzungshilfe zeigt so konkret wie möglich und so allgemein wie nötig, welche Rahmenbedingungen gegeben sein müssen, um – auf dem eigenen Weg – ans Ziel zu kommen und solche regionalen Netzwerke zur Förderung der Biodiversität zu multiplizieren.

Autor: Pascal Blarer, Projektleiter Biodiversität, Pusch
Bildquelle: Naturnetz Pfannenstil

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Mit dem positiven Thema Biodiversität kann das Naturnetz Knonauer Amt eine verbindende Funktion in unserem Bezirk wahrnehmen.

Nathanaël Wenger, Leiter des Naturnetzes Knonauer Amt und Gemeinderat, Knonau

 

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Nadine Siegle
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