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Regionale Zusammenarbeit für die Energiewende

Das Knonauer Amt im Kanton Zürich ist seit 2010 eine Energieregion. Die 14 angeschlossenen Gemeinden machen sich gemeinsam auf den Weg Richtung Netto-Null bis 2050. Ihren Energiebedarf wollen sie zu 80 Prozent selbst produzieren – aus regionalen und erneuerbaren Quellen. Eine Zwischenbilanz.

Ausgerechnet die 16 Kilometer Asphalt, die die grüne Landschaft zwischen Zürich und Zug zerschneiden, haben das Knonauer Amt zu einer erfolgreichen Energieregion gemacht. «Natürlich ist die Autobahn hässlich, aber sie hat uns angespornt», betont Johannes Bartels. Er ist seit vier Jahren Standortförderer der Region zwischen der Reuss und der Albiskette, auch als Säuliamt bekannt. Vor rund 20 Jahren vereinten dieses Teilstück der A4 und die Angst vor Naturverschandelung, steigenden Bodenpreisen und wuchernden Einkaufszentren alle 14 Gemeindepräsidien des Bezirks. Gemeinsam entwarfen sie Entwicklungsszenarien – es war die Geburtsstunde der Standortförderung. Vor allem aus freisinnigen Kreisen wurde gefordert, das Säuliamt solle ländlich bleiben und ökologisch ein Vorbild sein. So entstand 2003 ein Leitbild, 2010 integrierten die 14 Gemeinden die «Energieregion Knonauer Amt» (ERKA) als Schwerpunkt in die Standortförderung. Ihre ambitionierten Ziele formulierte die ERKA 2013 als «Regionale Energieplanung Knonauer Amt»: Bis 2050 will das Knonauer Amt 80 Prozent des Energiebedarfs für Strom und Wärme (Heizen und Warmwasser) selbst produzieren, mit einheimischen und erneuerbaren Energieträgern. Auch das bundesrätliche Ziel von Netto-Null bis 2050 packt die Region an. Bartels sagt: «Wir fangen jetzt an, die Emissionen zu quantifizieren, so dass wir für den Weg Richtung Netto-Null ein Monitoring haben.»

Starke Identität

Es ist nicht selbstverständlich, dass 14 teils sehr unterschiedliche Gemeinden mit insgesamt 55’000 Einwohner:innen an einem Strick ziehen. Die Bezirkshauptstadt Affoltern zählt 12’000 Einwohner:innen, das Dorf Maschwanden 700. Es gibt aber durchaus Gemeinsamkeiten: So leben überdurchschnittlich wohlhabende Personen und sehr viele Eigenheimbesitzer:innen im Knonauer Amt; die Quote liegt mit 52 Prozent deutlich über dem Kantonsdurchschnitt von 32 Prozent. Längst haben sich urbane Gutverdienende unter die traditionell ländlich geprägte Bevölkerung gemischt. Städter, die in Zürich oder Zug arbeiten und sich «problemlos ein Leben an der Zürcher Goldküste leisten könnten», wie Bartels sagt. Sie fühlten sich im familiären Knonauer Amt wohl. Er spüre Bodenständigkeit und eine starke Identifizierung mit dem Bezirk. Diese Verbundenheit erleichtere die Zusammenarbeit, auch wenn die Gemeinden nicht immer gleicher Meinung seien.

Energieberatung als Gemeinschaftsaufgabe

Doch beim Thema Energie ticken die 14 Gemeinden gleich. Als Energieregion verfolgen die Gemeinden mit einer klaren Struktur gemeinsame Ziele. Sie nutzen Synergien und bringen das Thema miteinander voran, statt im Alleingang, jede für sich. Deutlich illustriert dies die regionale Energieberatung. Bescheiden angefangen als wöchentliche Sprechstunde für Hausbesitzer:innen, hat sich das Angebot rasch zur gefragten Beratung am Objekt entwickelt; es handelt sich dabei um eine Vorgehensberatung für mögliche energiesparende Massnahmen durch den Ersatz von fossilen Heizungen, die Dämmung der Gebäudehülle oder den Einsatz von Photovoltaik und Sonnenkollektoren. Später sind Beratungsangebote für Unternehmen hinzugekommen, mit Schwerpunkt betriebliche Energieeffizienz und Nutzung der Dachflächen für Photovoltaikanlagen.
Das jüngste Beratungsformat fokussiert auf Siedlungen und Überbauungen. Hier geht es um komplexe Fragestellungen, wie Ladestationen für Elektroautos in der gemeinsamen Tiefgarage oder Verbrauchergemeinschaften für Solarstrom. Die Nachfrage nach Beratungen steige konstant, so Bartels, vor allem wenn die Gemeinden die Werbetrommel rührten: Die Gemeinde Mettmenstetten zum Beispiel hat alle Besitzer:innen von Ölheizungen angeschrieben – das Resultat: 70 Beratungsanfragen auf einen Schlag.

Was die Energieberatung in der Region bisher bewirkt hat, wird derzeit ausgewertet. Klar ist bereits: Die Energieregion ist auf Kurs. 2010 lag der Anteil der selbst produzierten Energie bei 13,9 Prozent, 2021 bereits bei 31,1 Prozent.

Erfolgsrezept: Kommunikation

Regula Baggenstos zeigt sich erfreut über die jüngsten Zahlen der ERKA. Baggenstos hat beim WWF bis vor Kurzem die Energieregion während sechseinhalb Jahren inhaltlich und beratend begleitet. Nach dem Erfolgsrezept der ERKA gefragt, nennt Baggenstos neben dem «grossen persönlichen und vielfach freiwilligen Engagement Einzelner» rasch auch die «ausgezeichnete Öffentlichkeitsarbeit».
Diese wird unter anderem durch Förderbeiträge der über den WWF vermittelten Stiftung Pro Evolution unterstützt: So organisiert und bewirbt das Knonauer Amt mit grossem Engagement die jährlich stattfindenden nationalen «Tage der Sonne». Auch ein Dokumentarfilm über die ERKA wurde mit Stiftungsmitteln produziert. Entscheidend ist für Baggenstos aber auch die Berichterstattung in den lokalen Medien. Der «Affolter Anzeiger» begleitet sämtliche Anlässe und Entwicklungen der Energieregion und berichtet aus den Gemeinden mit Praxisbeispielen.

Das Knonauer Amt sagte klar Ja zum CO₂-Gesetz wie auch zum kantonalen Energiegesetz. Obwohl das «Säuliamt» eigentlich eine typische SVP-Region sein könnte, stimme es in Nachhaltigkeitsfragen wie die Städte Zürich und Winterthur, sagt Baggenstos. Die jahrelange Sensibilisierung schlage sich auch im Abstimmungsverhalten nieder.
Die Hälfte der ERKA-Gemeinden hat das Energiestadt-Label erworben. Standortförderer Bartels ergänzt, dass viele Gemeinden bei ihren Gebäuden eine Vorreiterrolle einnähmen. Die Gemeinde Aeugst am Albis hat zum Beispiel die Ölheizung im Schulhaus durch eine Holzschnitzelheizung ersetzt. Zuvor hatte bereits die reformierte Kirchgemeinde das 350 Jahre alte denkmalgeschützte Pfarrhaus mit einer Wärmepumpe ausgestattet.

Ein Partner für den Bund

Das Knonauer Amt nutzt Wärmepumpen und Holzschnitzelheizungen, Wärmeverbünde, Biogas, Wasser- und Sonnenkraft. Es setzt auf Suffizienz, Effizienz und Substitution, um den Energieverbrauch zu senken. «Wir sind als Energieregion aber nicht homogen», betont Bartels. Die Basis bildet die regionale Energieplanung. Darauf aufbauend entscheidet jede Gemeinde für sich, welche Massnahmen und Vorgehensweisen für sie sinnvoll und umsetzbar sind. Die Zusammenarbeit sei indes ein grosser Vorteil bei der regionalen Planung. Etwa das Thema E-Mobilität sei eine grosse Herausforderung, vor allem für kleine Gemeinden. «Da braucht es ein regionales Konzept», ist Bartels überzeugt. Die Organisation als Energieregion helfe auch für die Zusammenarbeit mit dem Bund. Das BFE unterstützt die regionale Planung der Ladeinfrastruktur für Elektroautos.

Interessant ist die Energieregion auch für die Forschung: Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) begleitet die regionale Entwicklung im Säuliamt. Sie untersucht, welche Chancen die Energiewende für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung einer Region bringen kann und welche Rolle der Einbezug der Bevölkerung dabei spielt.

Mehr Co-Working und Velorouten

Bei der Energieregion geht es um mehr als Energiethemen und die Wärmeversorgung. Das Knonauer Amt soll insgesamt ein attraktiver Ort zum Wohnen und zum Arbeiten sein, in dem die Menschen Freude an einer naturnahen und ressourcenschonenden Lebensweise haben. Die nächsten Schwerpunkte der Standortförderung stehen denn auch schon fest: Neben der E-Mobilität sind es Co-Working-Spaces und die Infrastruktur für Velorouten, mit der Pendler:innen zum Umsteigen motiviert werden sollen. Es sind Beispiele dafür, wie strukturelle Innovation die Beratung, Wissensvermittlung, Sensibilisierung und Kommunikation ergänzt.

Die Aktivitäten der Energieregion Knonauer Amt:

  • Energieberatung für Private und Unternehmen
  • Solarkataster (Solarpotenzial-Verzeichnis aller Dachflächen der Region)
  • Energiekarte (lokale Praxisbeispiele)
  • Energie- und CO₂-Rechner (my climate)
  • Informationen zu Produkten und Labels
  • Workshops für Kinder und Jugendliche
  • Tage der Sonne, Mobilitätstage
  • Planungskonzept für E-Mobilität für Gemeinden, regionale Planung der Ladeinfrastruktur
  • Regelmässige Berichterstattung im «Affolter Anzeiger»
  • In Planung: Co-Working-Spaces, Velorouten, Software für die Energieerfassung von Liegenschaften in Gemeinden

Hilfreiche Links für eine regionale Zusammenarbeit für die Energiewende:

 

Autorin: Susanne Rutz, Projektleiterin Energie und Klima, Pusch
Bild: Knonauer Amt

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johannes-bartels.pngViele Gemeinden im Knonauer Amt nehmen bei ihren Gebäuden eine Vorreiterrolle ein.

Johannes Bartels, Standortförderer Knonauer Amt

 

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Nadine Siegle
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