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Energie sparen im Gebäudepark

Der Schweizer Gebäudepark verursacht mehr als ein Viertel der Treibhausgasemissionen, das Einsparpotenzial ist entsprechend hoch. Mittlerweile gehen viele Gemeinden gezielt vor, um bei ihren kommunalen Gebäuden Energie zu sparen – eine davon ist Thalwil im Kanton Zürich.

Im Jahr 2010 hat Thalwil (ZH) das Label «Energiestadt» erhalten. Mit dieser Zertifizierung verpflichten sich Gemeinden, ihren Energieverbrauch bis zur Rezertifizierung nach vier Jahren laufend zu verbessern. In Thalwil zeigte sich beim Energiestadt-Audit, dass in den Bereichen Mobilität und Immobilien die grössten Potenziale bestehen. 

Um die Verbesserungsmassnahmen besser zu koordinieren, schuf Thalwil Ende 2012 die Funktion des Energiebeauftragten und engagierte Martin Schmitz. «Die Verwaltung verfügte bei meinem Stellenantritt bereits über eine Energiebuchhaltung», erzählt der Umweltwissenschaftler. «Leider war das System nicht sehr alltagstauglich». Erstens seien darin nicht alle Gebäude berücksichtigt worden, und zweitens sei es für eine gute Steuerung wichtig, den Energieverbrauch monatlich zu erfassen. «So erhält man gute Vergleichsdaten und kann rasch reagieren, wenn der Verbrauch in einem Objekt plötzlich nach oben ausschlägt». 

Da man in der alten Buchhaltung nur die Verbrauchsdaten aufgrund der Energierechnungen erfasste, entschied man, auf ein System der Energieberatung der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich EKZ umzusatteln. Mit diesem lassen sich Strom-, Wärme- und Wasserverbrauch online erfassen und nach verschiedenen Gesichtspunkten auswerten. «Wir stehen allerdings noch nicht ganz dort, wo wir hinmöchten», sagt Schmitz. Ziel sei, dass künftig die wichtigsten Daten und Statistiken per Knopfdruck abrufbar seien.

Den Betrieb optimieren

Eine grobe Datengrundlage bot die alte Energiebuchhaltung trotzdem. Schmitz beauftragte den Verein Energo, eine Empfehlung auszuarbeiten, bei welchen kommunalen Gebäuden eine Betriebsoptimierung angezeigt wäre. 

Mittlerweile sind bei drei der insgesamt 55 gemeindeeigenen Liegenschaften Optimierungen vorgenommen worden, weil sie einen hohen Energieverbrauch aufwiesen, eine weitere ist noch im Gange. Durchgeführt haben sie die EKZ in enger Zusammenarbeit mit den Hauswarten und den Immobilienverantwortlichen. Je nach Gebäude dauert ein solcher Prozess zwei bis fünf Jahre. Die Fachleute überprüfen zum Beispiel, wie gut die Heizkurve eingestellt ist oder wie oft der Heizkessel an- und ausgeschaltet wird. Während Leerständen in den Ferien oder am Wochenende lässt sich mit einer besseren Justierung Energie sparen. Auch der Stromverbrauch ist immer ein Thema. Dabei zeigt sich, dass sich der Ersatz von alten Leuchtmitteln durch LED meist rasch amortisiert. 

Laut Energo und EKZ lassen sich bei einer Betriebsoptimierung zwischen 8 und 12 Prozent der Energiekosten einsparen. Im Werkhof des Thalwiler Feuerwehrgebäudes konnten die Stromkosten um gut 7 Prozent reduziert werden, die Wärmekosten um gut 11 Prozent. Bei den älteren Gebäuden, etwa im denkmalgeschützten Jenny-Schloss, wurden die Zielwerte nicht ganz erreicht. Schmitz: «Das ist auch auf die mangelnde Datengrundlage zurückzuführen. Alles in allem sind wir trotzdem zufrieden mit dem Resultat.»

Efficiency-Gap-Analyse

Nebst der etwas aufwendigeren Betriebsoptimierung bieten die EKZ mit der Efficiency-Gap-Analyse eine kurzfristigere Beratung an. Das heisst: Jedem Gebäudetyp ordnet die SIA-Norm 2031 einen gewissen Energieverbrauch pro Fläche zu. Wenn ein Gebäude diesen Werten nicht entspricht, lohnt es sich, dem nachzugehen. In Thalwil war das Schulhaus Oeggisbüel ein solcher Fall. Ein Energieberater der EKZ überprüfte das Gebäude einen halben Tag lang und eruierte verschiedene Schwachstellen. Schmitz: «Dieser Blick von aussen hat sich gelohnt. Nun können gezielt Massnahmen zur Verbesserung der Gebäudeeffizienz umgesetzt werden.»

Das Wichtigste in Kürze

Thema: Energiesparen bei kommunalen Gebäuden
Gemeinde: Thalwil ZH
Einwohnerzahl: 18'000
Projektdauer: seit 2011 fortlaufend
Projektziele: Optimierung der Energiebilanz der gemeindeeigenen Gebäude
Projektverantwortung: Martin Schmitz, Leiter Planung und Energie, Thalwil
Beratung: Ralf Aregger, Gian Cavigelli, Elektrizitätswerke des Kantons Zürich EKZ

Infos und Links:

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Der Blick von aussen hat sich gelohnt. Nun können gezielt Massnahmen zur Verbesserung der Gebäudeeffizienz umgesetzt werden.

Martin Schmitz, Leiter Planung und Energie, Gemeindeverwaltung Thalwil