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Beispiele aus der Gemeindepraxis

Ob als umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit geplant oder ganz nebenbei erwähnt – es gibt vielfältige Möglichkeiten, die Mitwirkung zu fördern und Ihre Bevölkerung für ressourcenschonendes Verhalten im Alltag zu sensibilisieren. Oft geht Umweltkommunikation auch ganz praktisch und mit wenig Aufwand. Profitieren Sie von den Erfahrungen anderer Gemeinden.

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Tschüss Neophyten: Kommunikation für die Biodiversität

Das Potenzial von Öffentlichkeitsarbeit wird in Gemeinden oft unterschätzt. Nicht jedoch in Illnau-Effretikon. In ihrem Engagement für die Biodiversität setzt die Zürcher Gemeinde neuerdings auch ganz bewusst auf Kommunikation und Austausch mit der Bevölkerung.

Der Stadtrat von Illnau-Effretikon (ZH) hat es sich in seinem Schwerpunktprogramm 2018–2022 zum Ziel gesetzt, die Artenvielfalt in der Stadt mit 17 000 Einwohner:innen zu erhalten und wenn möglich zu fördern. Am 20. Februar 2020 wurde in diesem Zusammenhang das Naturschutzkonzept 2030 genehmigt. Ein Schwerpunkt des Konzepts bilden Naturräume und -flächen im Siedlungsgebiet, das rund 15 Prozent der gesamten Gemeindefläche einnimmt.

Wenn es um mehr Artenschutz geht, versteht man sich in Illnau-Effretikon als Vorbild. Und das nicht ohne Grund. So verfügt die Gemeinde bereits seit 2007 über ein Konzept zur Förderung einer naturnahen Umgebung. Die aktualisierte Richtlinie gibt nun konkrete Ziele, Massnahmen und Vorgehensweisen vor, um das Anliegen einer ökologischen Aufwertung umzusetzen. Ein wichtiger Bestandteil sind dabei etwa verbindliche Vorgaben im Bauwesen, und zwar explizit nicht nur für öffentliche Gebäude, sondern auch für private Neu- und Umbauprojekte. 

Kommunikation als Mittel der Wahl 

Obwohl in Illnau-Effretikon im Bereich des Natur- und Artenschutzes bereits viel erreicht wurde, haben die vergangenen Jahre auch Grenzen aufgezeigt. So zum Beispiel beim Kampf gegen invasive Neophyten. Zwar werden invasive Pflanzen hier bereits seit längerem bekämpft und der beträchtliche Aufwand zeigt auch gewisse Erfolge. Doch solange sich aus Privatgärten heraus immer wieder frische Ableger ausbreiten, kommt dies einer Sisyphusarbeit gleich. Um die Bemühungen zu intensivieren, hat der Gemeinderat deshalb 2021 eigens dazu ein separates Konzept verabschiedet. 
Das neue Neobiota-Konzept setzt unter anderem auf professionelle Aufklärungsarbeit. Dazu gehört ein von einer externen Agentur erarbeitetes Kommunikationskonzept, das drei konkrete Ziele vorsieht: die Stärkung des Bewusstseins für die Problematik der Neophyten in der Bevölkerung, die Reduktion von Neophyten auf privaten Grundstücken und die Förderung der Biodiversität durch einheimische Pflanzen. Dem im Konzept verankerten Kommunikationsansatz hat sich inzwischen auch die Nachbargemeinde Lindau angeschlossen.
Mit den gewählten Kommunikationsmassnahmen spricht die Gemeinde alle Personen an, die private Grünräume anlegen oder pflegen, sei es als Eigentümer:innen, Mieter:innen oder im Auftrag einer Liegenschaftsverwaltung. Damit wird ein grosser Teil der Wohnbevölkerung in den beiden Gemeinden angesprochen.

Eine Ausstellung mit Anziehungskraft

Einen ersten sichtbaren Schwerpunkt setzte im Mai 2022 die Ausstellung «Die Natur braucht Sie!» auf dem Märtplatz in Effretikon. Eine Woche lang konnten hier Interessierte erfahren, warum gebietsfremde Blumen und Sträucher wie die amerikanische Goldrute oder der Sommerflieder eine Gefahr für die einheimische Artenvielfalt sind. Um das Thema möglichst plastisch zu vermitteln, gab es in der Ausstellung neben vielen interessanten Informationen zudem auch etwas durchaus Handfestes: Neophyten zum Anfassen.  
Die Ausstellung war ein voller Erfolg: «Das Interesse der Bevölkerung war sehr gross», sagt Cornelia Bachmann von der Agentur P-ART, die das Konzept erarbeitet hat. Die Menschen seien offen für die Problematik und interessiert an Lösungen. Und solche wurden denn auch direkt und konkret aufgezeigt. So half eine Gärtnerei interessierten Besucher:innen vor Ort kostenlos bei der Suche nach passenden einheimischen Alternativen.
Begleitend dazu erhielten alle Haushalte einen attraktiv gestalteten Flyer. Darin gehen Illnau-Effretikon und Lindau auf das gemeindeeigene Engagement für weniger Neophyten ein, stellen die zwölf häufigsten Neophyten im Detail vor und geben Tipps zur Entsorgung. 

Gemeinde reisst Hecken aus

Das Engagement der Gemeinden Illnau-Effretikon und Lindau zeigt sich auch am Umgang mit dem lästigen – und beliebten – Kirschlorbeer. Wer ihn aus seinem Garten verbannen möchte, wird dabei nämlich neuerdings unterstützt. Konkret heisst das: Beide Gemeinden entfernen und entsorgen die Pflanze kostenlos und empfehlen passende einheimische Alternativen. Allein in Illnau-Effretikon haben sich dieses Jahr so bereits ein Dutzend Privatpersonen von ihrem Kirschlorbeer verabschiedet. Ein sichtbares Zeichen für mehr Biodiversität und ein Umdenken in der Bevölkerung. 

Das Kommunikationskonzept rund um die Neophyten ist auf vier Jahre angelegt. Das sorgt für Planungssicherheit. So steht bereits jetzt fest, dass die Ausstellung nächstes Jahr wieder stattfindet. Auch das Angebot zur Entfernung des Kirschlorbeers wird im Herbst noch einmal aufgegriffen. Eine gemeinsam mit der lokalen Wochenzeitung «Regio» aufgegleiste Artikelserie hält das Thema präsent, indem einmal im Monat ein Porträt eines invasiven Neophyten erscheint. Den Auftakt hat im August ein Beitrag über die amerikanische Goldrute gemacht. Weitere Massnahmen und Aktionen sind in Erarbeitung

 

Autor: Remo Bräuchi, Projektleiter Umweltkommunikation und Partizipation

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Auch das Pusch-Magazin «Thema Umwelt» bietet neben Fach-Know-how inspirierende Einblicke in die Praxis anderer Gemeinden: 

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Andreas Schuler
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