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Sekschüler reparieren Kindergartenspielsachen

Ein respektvolles Miteinander zwischen Gross und Klein, ein sorgfältiger Umgang mit Material und dadurch gleich noch Ressourcen schonen und Geld sparen; all dies bringt das Reparaturwerkstatt-Projekt unter einen Hut. Wie das genau geht, zeigen die Schulen in der Zürcher Vorortsgemeinde Opfikon-Glattbrugg.

«Entstanden ist die Idee im Rahmen der schulhausübergreifenden Arbeitsgruppe ‘Respekt’», berichtet der Sekundarlehrer Lorenz Imhof. «Wir suchten nach einer sinnvollen Umsetzung im Schulalltag.» Er hat die Initiative ergriffen und zusammen mit den Lehrpersonen für Textiles und Nicht-textiles Werken die Reparaturwerkstatt auf die Beine gestellt: Die Kindergärten der Stadt kommen im Sekundarschulhaus Halden vorbei und bringen ihre kaputten Spielsachen. Die Sekschüler üben sich als Dienstleister: Sie halten fest, wer was abgibt und was daran geflickt oder aufgewertet werden soll. Dabei entstehen wertvolle Kontakte zwischen den Grossen und den Kleinen. Anschliessend analysieren die Werklehrpersonen zusammen mit ihren Schülern, wie die verschiedenen Spielsachen bearbeitet werden können. Die Teenager der 7. bis zur 9. Klasse sehen plötzlich ganz selbstverständlich einen Sinn in ihren Arbeiten. Sie reparieren die Spielsachen gerne und sind äusserst motiviert, genau zu arbeiten, nachdem sie die Sorgen der kleinen Kindergärtler um ihren geliebten, aber kaputten Bollerwagen selbst erlebt haben. «Wir haben jeden Tag mit dem Leiterwagen gespielt. Aber jetzt ist die Deichsel abgebrochen und wir können uns nicht mehr ziehen!», klagt ein Fünfjähriger. Solche und ähnliche Reparaturarbeiten sind ideal für die Sekundarschülerinnen aller Niveaus im Schulhaus Halden. Sie erkennen ihre eigenen Kompetenzen: «Ich kann etwas selbst flicken.»

Wertvolle Begegnungen beim sinnvollen Arbeiten

Im Textilen Werken konnte ein Fallschirm-Schwungtuch ebenso erfolgreich geflickt werden, wie abgenützte Bauklötze im Holzwerken wieder sauber geschliffen wurden. Einige dieser Sachen wären ohne die Reparaturwerkstatt der Sekschüler wahrscheinlich im Abfall gelandet. Denn viele professionelle Reparaturarbeiten sind heute teurer als neue Sachen. Nebst den sinnstiftenden Arbeiten und den wertvollen Begegnungen zwischen Kindergärtlern und Sekschülern hilft das Projekt, Abfall zu vermeiden und die Lebensdauer von Spielsachen zu verlängern. So verringern die Kindergärten aktiv ihren Rohstoffverbrauch und sparen sogar Geld. «Ä rundum gfreuti Aktion», meint denn auch Oberstufenlehrer Lorenz Imhof, der das Projekt gerne weiterführen möchte. Auch die Kindergartenlehrpersonen können dem Angebot nur Gutes abgewinnen. Ihnen fehlt die Infrastruktur, um selbst anzupacken. «Ein Holzpuzzle gleich wegzuwerfen, nur weil ein Teilchen verloren gegangen ist, das wäre doch schade. Wenn die das im Werken nachmachen können, ist das super für uns!», erzählt eine Kindergartenlehrerin. So ist es auch nicht erstaunlich, dass auf Anhieb fast die Hälfte der Opfikoner und Glattbrugger Kindergärten bei der Aktion der Sek mitmachen wollten. Beinahe 100 Arbeiten konnten von den Sekschülerinnen ausgeführt werden.

Das Rezept zum Nachmachen

Der Aufwand für das Projekt ist für die beteiligten Lehrpersonen klein. Es braucht eine initiative Lehrperson, die das Projekt anpackt und alle involvierten Leute anfragt. Besonders geeignet für die Reparaturarbeiten im Werken ist der Zeitraum vor den Ferien, wenn einige Schülerinnen mit ihren Arbeiten fertig sind und die Lehrer noch kleine Aufträge für sie generieren müssen. Lorenz Imhof schwebt deshalb vor, das Angebot künftig jeweils zu Semesterende oder gegen Schuljahresende durchzuführen. 

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Ä rundum gfreuti Aktion.

Lorenz Imhof, Oberstufenlehrer Sekundarschulhaus, Halden