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Gemeinden gesucht: Zukunft gestalten mit der Donut-Ökonomie

In einem Karton liegen sechs verschiedene Donuts.

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5 Minuten Lesezeit

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Das gute und glückliche Leben für Mensch und Planet beginnt in der Gemeinde. Deshalb sucht die Organisation Greenpeace Deutschschweizer Gemeinden, die mit dem Modell der Donut-Ökonomie arbeiten möchten. Aber was steckt überhaupt hinter dem Begriff der Donut Economy? Und wie sieht das Modell in der Praxis aus?

Der Donut ist nicht nur ein Süssgebäck. Er steht auch für ein Wirtschaftsmodell, das die britische Ökonomin Kate Raworth entwickelt hat. Der innere Rand des Donuts steht für das «gesellschaftliche Fundament» mit Grundbedürfnissen wie politischer Teilhabe, Gesundheit oder Bildung. Der äussere Rand steht für die planetaren Belastungsgrenzen wie Klimawandel oder Verlust der Artenvielfalt. 

Grafik, die die Donut Ökonomie erklärt.

Das Modell stellt Wirtschaft und Gesellschaft als Donut dar. Bild: DEAL/GPCH

Im Zentrum des Modells stehen die konkreten Bedürfnisse einer Gemeinde. Ziel ist es, sich in einem sicheren und gerechten Bereich (auf der Abbildung in grün) des Donuts zu bewegen, sodass alle Menschen ein gutes und glückliches Leben haben – in der Gemeinde und auf der Erde.

Gemeinsam Lösungen erarbeiten

Der Donut soll den Dialog mit den Einwohner:innen anregen. Er ist ein Gemeinschaftsprojekt. Denn der Donut jeder Gemeinde sieht anders aus. 

So ist auch der Prozess flexibel und individuell. Das heisst: Politik, Verwaltung und Bevölkerung finden mit wissenschaftlicher Begleitung heraus, wo konkret der Schuh drückt und welche Ressourcen in der Gemeinde vorhanden sind. 

Rasche Lösungen liefert der Donut nicht. Doch er macht die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen sichtbar und hilft dabei, ganzheitliche Lösungen zu finden. Langfristig kann er auch dazu beitragen, Kosten zu sparen. 

Der Donut in der Praxis: Ein Beispiel aus Schweden

Die südschwedische Gemeinde Tomelilla hat rund 7000 Einwohner:innen. Expert:innen, Politik, Verwaltung und Einwohner:innen haben gemeinsam erarbeitet, wo Handlungsbedarf besteht und wo die Gemeinde gut unterwegs ist. Dabei haben sie sich am Donut orientiert.

So entschied die Gemeinde beispielsweise, das neue Schulhaus aus Recyclingmaterial zu bauen und den öffentlichen Verkehr zu stärken. «Es ist ein cooles Gefühl, Teil eines Wandels zu sein», sagt Einwohnerin Jonna Olsson. Das findet auch Bauer Svensson. Das Donut-Konzept erinnere ihn an seine Arbeit, sagte er im Gespräch mit der englischen Zeitung The Guardian. «Zu viel Dünger ist ein Fehler, zu wenig ebenfalls.» 

Schweizer Pioniergeist gesucht

Um das Modell der Donut-Ökonomie in die Schweiz zu bringen, hat Greenpeace ein Projekt lanciert. Aktuell sucht die Umweltorganisation in der deutschsprachigen Schweiz innovative Gemeinden mit bis zu 20’000 Einwohner:innen, die sich auf einen partizipativen Prozess zum Wohl von Mensch und Umwelt einlassen und mit dem Modell der Donut-Ökonomie arbeiten möchten.

Der Donut jeder Gemeinde sieht anders aus. Er ist ein Gemeinschaftsprojekt und fördert die Partizipation.

Aktuell läuft die Nominierungsphase. Bis Ende Februar 2026 können alle, die möchten, eine Gemeinde für das Projekt nominieren.  Zum Publikationszeitpunkt dieses Artikels haben Lichtensteig (SG), Langnau i.E. (BE), Wald (ZH) und Rifferswil (ZH) das Nominierungsziel erreicht (zum aktuellen Nominierungsstand). Dieses ist abhängig von der Grösse der Gemeinde. Nach Abschluss dieser Phase wird Greenpeace auf die Gemeinde zugehen und das Interesse abklären. Im Rahmen des Projekts werden anschliessend zwei Gemeinden begleitet (siehe Box).

Was die Projektgemeinden erwarten dürfen

Am Anfang des Prozesses steht eine Bevölkerungsbefragung. Parallel dazu werden mit einer wissenschaftlichen Datenanalyse die sozialen und ökologischen Stärken und Entwicklungsschwerpunkte der Gemeinde identifiziert.  

Danach nimmt ein Donut-Rat, bestehend aus Einwohner:innen und Vertreter:innen der Politik und Gemeindeverwaltung, seine Arbeit auf. Er trifft sich regelmässig, identifiziert Handlungsfelder und erarbeitet Ziele und Massnahmen, welche die Gemeindeversammlung oder das Gemeindeparlament abschliessend politisch verankern.

Das trägt Greenpeace bei:

  • Moderation des partizipativen Prozesses (Bevölkerungsbefragung, Donut-Rat, Koordinationsgruppe)

  • Wissenschaftliche Datenanalyse und Bevölkerungsbefragung

  • Unterstützung bei Konzeption und Kommunikation etwa durch Veranstaltungen, Workshops und Öffentlichkeitsarbeit

  • Unterstützung und Expertise zum Aufbau und Erhalt einer Gruppe aus der Bevölkerung und Stakeholdern

  • Expertise in den Bereichen Nachhaltigkeit, Grundbedürfnisse, Partizipation, Donut-Ökonomie

Einwohner:innen haben eine Vision für ihre Gemeinde

«Wir sind begeistert von der Dynamik, die unser Projekt ausgelöst hat», sagt Projektleiterin Annina Aeberli von Greenpeace. «Es mobilisiert Menschen für Gemeindeanliegen und stärkt ihren Glauben in die Politik und in die Möglichkeiten mitzugestalten.»

Die Personen, die ihre Gemeinden bisher nominiert haben, sehen Potenzial für eine Veränderung. «Ich habe Wald nominiert, weil es ein besonderer Ort mit unglaublichen Einwohner:innen ist», schreibt eine Frau. Ein Mann aus Langnau i.E. ist überzeugt, «dass wir etwas Aussergewöhnliches realisieren können». Und eine Person hat Lichtensteig auf die Liste gesetzt, weil sie das Greenpeace-Projekt für vielversprechend hält, denn es hole die Menschen ins Boot.

Gemeinde nominieren

Mit welcher Gemeinde soll Greenpeace die Donut-Ökonomie umsetzen? Nominieren Sie Ihre Lieblingsgemeinde bis Ende Februar 2026 beim Donut-Projekt.

Ansprechperson des Projekts: Annina Aeberli, Projektleiterin Greenpeace, annina.aeberli@greenpeace.org


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