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Fachartikel

Entwicklung braucht Kommunikation

Gemeindemitglieder stehen auf einer Wiese mit hohem Gras.

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5 Minuten Lesezeit

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Eine nachhaltige Schweiz ist längst nicht mehr nur eine Vision, sondern eine Notwendigkeit. Kommunikation ist der wichtigste Wegweiser auf dem Weg dorthin: Denn Verhaltensänderungen fallen nicht einfach vom Himmel. Es braucht Informationen, Erklärungen und Überzeugungsarbeit. 

Im September 2015 hat die Staatengemeinschaft an der UN-Generalversammlung in New York die globale «Agenda für nachhaltige Entwicklung» verabschiedet. Kernelement sind die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals SDG), die bis 2030 realisiert werden sollen. 11 der 17 Ziele betreffen die Umwelt direkt oder indirekt. 

Die öffentliche Hand spielt für die Zielerreichung eine wichtige Rolle. Sie hat es in der Hand, mit eigenen Aktivitäten nachhaltige Entwicklung voranzutreiben, sei es durch rechtliche Rahmenbedingungen oder auf operativer Ebene, zum Beispiel durch nachhaltige Beschaffung oder die Förderung von Biodiversität oder erneuerbarer Energie.  

Umweltkommunikation mit Potenzial 

Die Agenda 2030, aber auch Konzepte wie die 2000-Watt-Gesellschaft oder Energiestadt sind starke Visionen. Doch können Visionen nur dann Kraft entfalten, wenn sie von einem Kollektiv getragen werden. Für eine nachhaltige Entwicklung ist deshalb auch das Engagement der Bevölkerung unerlässlich. Nur gemeinsam lassen sich die hoch gesteckten Ziele erreichen.  

Die aktuell in der Schweiz praktizierten Lebensstile sind in vielen Bereichen aber nur ansatzweise oder gar nicht nachhaltig. Einer nachhaltigen Entwicklung kommen wir nur näher, wenn wir unser Verhalten in zahlreichen Lebensbereichen ändern. Energie- und ressourceneffizienter Konsum, ein Wertewandel, der weniger den materiellen Wohlstand als das Wohlbefinden in den Vordergrund stellt, sowie die Förderung der natürlichen Vielfalt im eigenen Wirkungsbereich sind die zentralen Hebel.  

Städte und Gemeinden sind wichtige Akteure, um diesen Prozess anzukurbeln. Sie sind nah an der Bevölkerung und besitzen hohe Glaubwürdigkeit. Mit Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit kann die öffentliche Hand Umweltschutz zum Thema machen, ihn im öffentlichen Diskurs verankern und ihm dadurch Legitimität verleihen. Sie kann die Bevölkerung sensibilisieren, motivieren und zeigen, was jede Person in ihrem jeweiligen Handlungsbereich tun kann. Die Potenziale für Umweltkommunikation sind gross und bei weitem noch nicht ausgeschöpft. 

Erfolgreich kommunizieren und interagieren 

Ob in Form von Kampagnen, Aktionstagen, Ausstellungen, Medienmitteilungen, Faltblättern oder Internetplattformen – Umweltkommunikation will Informationen vermitteln, Einstellungen hinterfragen und so letztlich Handlungen auslösen. Um dies zu erreichen, muss die von der Gemeinde designierte Botschaft bei den Empfängern jedoch auch ankommen und richtig interpretiert werden. Das ist heutzutage eine Herausforderung. Zwar gibt es eine immer grössere Vielfalt an Medien, aber zu wissen, wer wann mit welcher Botschaft über welchen Kanal am besten erreicht werden kann, ist nicht ganz einfach. Und die Bevölkerung ist sehr divers und deshalb eine schwierige Zielgruppe. Oft erreicht die Kommunikation nur einen Bruchteil der Einwohner:innen. Auch in partizipativen Prozessen zeigt der Teilnehmerkreis meist kein repräsentatives Bild der Bevölkerung: Jugendliche, Senioren, Ausländer und Personen aus bildungsfernen Schichten sind oft untervertreten. 

Die Potenziale für Umweltkommunikation sind gross und bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Die Bandbreite an Instrumenten, die der Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung steht, ist gross und der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Vielen kommunalen Akteuren ist längst klargeworden, dass die klassische Pressearbeit bei Weitem nicht mehr ausreicht, um in den Dialog mit Einwohner:innen zu treten. Neue Formen der Kommunikation sind gefragt! Das kann bedeuten, ausgetretene Pfade zu verlassen und beispielsweise über die Social Media kommunikatives Neuland zu betreten.  

Schon seit langem bewährt sind Umwelttage, bei denen der direkte Kontakt im Vordergrund steht. Auch oder gerade im Zeitalter der Digitalisierung ist die persönliche Interaktion ein wirkungsvolles Instrument. Umweltthemen vor Ort mit allen Sinnen wahrzunehmen und Handlungen direkt einzuüben, sorgt für eine starke Verankerung. 

Grundsätzlich wichtig ist eine Mischung an Kanälen und Instrumenten. So kann die öffentliche Hand verschiedene Gruppen erreichen und gleichzeitig die Botschaft wiederholen – eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg, wie die Umweltpsychologie zeigt. Schulen können wertvolle Partner sein, um Umweltthemen wiederholt schon bei den jüngeren Generationen zu verankern. So kann Umweltbildung zu einer wichtigen Ergänzung der kommunalen Öffentlichkeitsarbeit werden.  

Öffentlichkeitsarbeit schafft Gemeinschaften 

Die berühmt-berüchtigte Systemtheorie Niklas Luhmanns definiert Kommunikation als eine Operation, die soziale Systeme erzeugt und erhält. Was in der Theorie reichlich kompliziert wirkt, hat für die Praxis der Öffentlichkeitsarbeit für Städte und Gemeinden erfreuliche Konsequenzen: Wer einen aktiven Dialog mit der Bevölkerung gestaltet, stärkt das Gemeinschaftsgefühl und die Identifikation der Einwohnerinnen und Einwohner mit der Gemeinde. Wer sich gemeinsam einer Herausforderung stellt, fühlt sich weniger machtlos – gerade bei Umweltthemen ein wichtiger Punkt. Globale Probleme sind für den Einzelnen oft eine Überforderung und weit weg vom persönlichen Alltag. Geschickte Umweltkommunikation kann sie fassbar machen und den lokalen Bezug vermitteln. 

Visionen gemeinsam umsetzen 

Nachhaltige Entwicklung braucht den Mut zur Vision und zur Kommunikation mit Herzblut. Mit rein technisch-wissenschaftlichen Argumenten kann man Menschen nicht bewegen. Das Herzblut muss aber nicht immer von der Gemeinde kommen. Vielerorts gibt es unter den Einwohner:innen engagierte Persönlichkeiten und Vereine. Dieses Engagement können Gemeinden aufnehmen und unterstützen, sie können ihm einen grösseren Rahmen geben und für breite Kommunikation sorgen. So kann ein Funke zu einem Lauffeuer werden, das eine ganze Gemeinde anstecken kann.  

Umweltkommunikation wirksam gestalten 

Umweltkommunikation hat viele Facetten. Wer die eigene Kommunikation mit Umweltaspekten ergänzt, gezielt das Engagement von interessierten Gruppen unterstützt oder mit Aktionstagen die breite Bevölkerung anspricht, kann viel bewirken. Die Klimademos zeigen: Die Zivilgesellschaft ist in Bewegung. Punkten Sie deshalb in Ihrer Öffentlichkeitsarbeit mit Umweltthemen – wir unterstützen Sie dabei

Der Artikel ist im «Thema Umwelt» 2/2018 erschienen.  
Titelbild: Stadtgrün Bern


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