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Klima und Energie
Fachartikel

Ladeinfrastruktur gekonnt planen

Eine Ladestation eines E-Autos in einer Parkgarage.

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3 Minuten Lesezeit

Klima und Energie

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Der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge ist ein wesentlicher Hebel für die Verkehrswende. Gemeinden und Private sollten eine langfristig angelegte Strategie verfolgen und bei der Umsetzung mit professionellen Partnern zusammenarbeiten.

Städte der Zukunft sind grün und lärmarm. Sie setzen auf Fuss- und Fahrradverkehr sowie auf öffentlichen Nahverkehr. Sie ermöglichen es der Bevölkerung, mit weniger privaten Fahrzeugen auszukommen, und bieten eine hohe Lebensqualität. Die Elektromobilität wird ein wichtiger Teil der CO2-neutralen Zukunft, der die verbleibende Mobilität mit Individualfahrzeugen umweltfreundlich möglich macht. Die technischen und planerischen Voraussetzungen und Marktangebote dafür sind vorhanden.

Nun stehen Städte und Gemeinden vor der grossen Herausforderung, ein CO2-neutrales Verkehrssystem zu realisieren. Auf politisch-organisatorischer Ebene stellt sich die zentrale Frage: Wie gelingt es, eine übergeordnete Mobilitätsstrategie zu verabschieden, die handlungsleitend für alle Entscheidungsträger ist?

Entscheid der Gemeinde ist gefragt  

Die Gemeinden und Städte müssen ihre Schlüsselrolle bei der Gestaltung der Verkehrsinfrastruktur wahrnehmen. In der Elektromobilität bedeutet das, die Ladeinfrastruktur komplett neu zu entwickeln. Das Ziel: eine bedarfsgerecht ausgestaltete, stromnetzdienliche und stadtplanerisch zukunftsfähige Infrastruktur.

Ein idealer Ausbauplan ist jedoch aufgrund von vielen Restriktionen schwierig: Öffentliche Parkplatzflächen, die für die Installation von Ladestationen im öffentlichen Raum nötig wären, sind häufig begrenzt und werden künftig noch reduziert. Zudem führen aufwendige Bewilligungs- und Realisierungsprozesse dazu, dass der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur langwierig sein kann. Hinzu kommen die teilweise engen finanziellen Spielräume. Deshalb braucht es die Entscheidung der Gemeinde, Parkflächen für Ladestationen zu vergünstigten Konditionen für Ladeinfrastruktur-Betreibende bereitzustellen, den Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur finanziell zu fördern oder Eigentümer von konventionell betriebenen Fahrzeugen an der Verkehrswende stärker zu beteiligen. 

Herausforderungen in der Planung  

Das netzdienliche Laden bedingt möglichst viele Ladepunkte − zu Hause und bei der Arbeit. Vor dem Bau der Ladeinfrastruktur stellen sich Privaten, etwa Eigentümerinnen von Mehrfamilienhäusern oder Arbeitgebern, mehrere Fragen: Wie viele Ladestationen werden künftig benötigt? Mit welchem Partner plant, realisiert und betreibt man die Stationen? Oder organisiert man alles in Eigenregie? Für den Betrieb ist der Zugang zu den Ladestationen, die Abrechnung, die Wartung und Instandhaltung sowie der 24/7-Service der Stationen zu klären.

Unterstützung bei der Umsetzung

Der schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) hat im Juni das Merkblatt SIA 2060 «Infrastruktur für Elektrofahrzeuge in Gebäuden» veröffentlicht. Dieses zeigt Dimensionierungsgrundlagen, um Infrastrukturen entsprechend dem Marktbedürfnis und einer möglichst grossen Netzkonformität zu entwickeln. So lassen sich unnötige und falsche Investitionen vermeiden.

Vor dem Ausbau der privaten wie auch der öffentlichen Ladeinfrastruktur ist professionelle Beratung häufig unerlässlich. Aber auch Partner, die den langfristigen Betrieb und Unterhalt sicherstellen, sind wichtig. Der Ausbau der öffentlichen Infrastruktur, die zukunftsfähig sein muss, sollte massvoll erfolgen, wenn ein grosser Teil der Ladevorgänge in Zukunft zu Hause oder am Arbeitsplatz stattfinden wird.

Der Artikel ist im «Thema Umwelt» 4/2020 erschienen.
Titelbild: ewz


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