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Lasst Worten Taten folgen

Schüler:innen üben im Unterricht Handlungen ein, die sie auch zu Hause umsetzen können.

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6 Minuten Lesezeit

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Die Stiftung Pusch hat das Modell «Wollen – Können – Tun» im Umweltunterricht in der Praxis angewandt und sieht verschiedene Einsatzmöglichkeiten im Schulalltag. 

Welche Lehrperson kennt das nicht beim Thema Mobbing: Die Schüler:innen handeln doch wieder anders als im letzten Klassenrat vereinbart und schliessen einige Kinder beim Spielen aus. Manchmal bespricht man ein Thema immer und immer wieder, doch oft bleibt der Alltag danach derselbe.  

Wie bringt man Kinder dazu, zu einem Problem Lösungen suchen zu wollen, Handlungsabsichten zu formulieren und diese auch in die Tat umzusetzen? Pusch hat sein Schulangebot verstärkt auf Handlungen ausgerichtet und orientiert sich dabei an einem Handlungsmodell aus der Sozialpsychologie, welches sich auch für andere Themen im Unterricht anbietet.  

Vom Wissen zum Handeln  

Zeitgemässe Umweltbildung als Zugang zu einer BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) geht über Sensibilisieren hinaus und befähigt die Lernenden, selbst aktiv zu werden. Dazu brauchen sie neben Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten auch den Willen, etwas umzusetzen sowie die Absicht, eine Handlung schliesslich zu vollziehen. Die zentralen Elemente des überlegten Handelns sind also das Wollen, das Können und das Tun. Dieses Modell nach J. Artho, A. Jenny und A. Karlegger (2012) stand bei der Neukonzipierung des Umweltunterrichts von Pusch im Zentrum.   

Zeitgemässe Umweltbildung als Zugang zu einer Bildung für nachhaltige Entwicklung geht über Sensibilisierung hinaus.

Verändertet Umgang mit Ressourcen 

Doch wie sieht das in der Praxis aus? Zunächst muss klar sein, welches Handlungsziel anvisiert werden soll. So liegt auf der Unterstufe im Umweltunterricht «Konsum und Abfall» der Schwerpunkt beim Thema Papier. Ziel ist, dass die Kinder nach dem Umweltunterricht mithelfen, Papier nachhaltig zu nutzen, indem sie ihren Umgang mit der Ressource verändern. Um dem Papierverbrauch entgegenzuwirken, sollen sie unter anderem einen Notizblock aus Makulaturpapier (einseitig gebrauchtes Papier) basteln und einsetzen. Damit es zu einem Tun kommt, sie also den Block wirklich basteln, müssen sie dazu motiviert sein (Wollen) und brauchen Umsetzungswissen sowie die nötigen motorischen Fähigkeiten (Können). 

Wollen: Eine Geschichte, die uns berühren soll 

Der Ursprung einer Handlung liegt darin, dass wir etwas tun wollen. Dies kann egoistische Ursachen haben, beispielsweise weil etwas Spass macht, bequem oder einfach ist. Zu den sozialen Motiven zählen Normen oder Erwartungen anderer oder auch Vorbilder. Ein drittes Motiv kann das moralische sein, welches sich mit dem Nutzen und Schaden für andere befasst.  

Die Kinder bekommen während des Unterrichts von Pusch im Rahmen einer Geschichte Besuch von zwei Eichhörnchen, die von ihrer Situation im Regenwald berichten: Für die Papierherstellung wird Wald gerodet, ihr Lebensraum ist in Gefahr. Berührt von dem Schicksal der Figuren entwickeln viele Kinder eine starke Motivation, etwas dagegen zu tun. Mit Bildern der Papierherstellung und des -konsums wird der Zusammenhang zwischen der Abholzung und unserem Konsumerhalten aufgezeigt und die Problemwahrnehmung sowie das Verantwortungsbewusstsein gefördert – die Grundlage für das Wollen ist damit geschaffen.  

Können: Handlung im Unterricht einüben  

Um eine Handlung durchführen zu können, muss nicht nur das Motiv genügend stark sein, sondern es braucht Rahmenbedingungen, die die Durchführung erlauben. Für den Notizblock bedeutet das, dass Makulaturpapier verfügbar und für die Schülerinnen und Schüler zugänglich sein muss. Ausserdem müssen die persönlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten vorhanden sein. In den Lektionen trainieren die Kinder diese, indem sie verschiedene Papierarten sortieren und schliesslich einen Block basteln.  

Tun: Ein Plakat gegen das Vergessen 

Wenn Motivation, Gelegenheiten und Fähigkeiten gegeben sind, besteht die Absicht eine bestimmte Handlung durchzuführen. Der letzte Schritt zum Tun, die Umsetzung dieser Absicht in die tatsächliche Handlung, mag auf den ersten Blick als kleine Hürde erscheinen. Doch am Vergessen oder Überwinden von Gewohnheiten scheitert oft die ganze Vorarbeit. Es gilt daher, die Handlungsabsicht zu stärken und die Umsetzung zu unterstützen. Im Umweltunterricht machen die Kinder, wie hier die Klasse von Gianfranco Salis der Schule Leutschenbach, ihren Vorsatz auf einem Plakat mit lauter Baumstämmen sichtbar, indem sie einen der Stämme mit ihrem Namen beschriften. Das Plakat wird anschliessend im Klassenzimmer aufgehängt und dient als Erinnerungshilfe für den gefassten Vorsatz.  

Es gilt die Handlungsabsicht zu stärken und die Umsetzung zu unterstützen.

Sichtbare Wirkung bringt Motivation 

Um die Schüler:innen dabei zu unterstützen, auch zu Hause Makulaturpapier zu sammeln und daraus einen Block zu basteln, verteilen die Umweltlehrpersonen Kärtchen zur Beschriftung der Makulaturbox. Wenn das Kind eine der im Unterricht besprochenen und geübten Handlungen vollzogen hat, malt es über dem Baumstamm eine Baumkrone – symbolisch für das eingesparte Frischholz. Machen dies viele Kinder, entsteht ein ganzer Wald. So erkennen sie die Wirkung, die sie gemeinsam erzielen können – das motiviert! 

Vielfältige Ansätze aus dem Modell 

Das Modell funktioniert natürlich nicht nur bei Umweltthemen. Je nach Zielsetzung, Alter oder Sozialisierung sprechen die einzelnen Elemente eine Person unterschiedlich an. Während das eine Kind für das Wollen vielleicht mehr auf Vorbilder anspricht, orientiert sich ein anderes stärker an Erwartungen anderer. Für Handlungen zu sozialen Problemen wie in oben erwähntem Mobbingbeispiel, bieten sich auch Methoden wie Rollenspiele an, um das Können zu stärken und die gewünschte Handlung zu trainieren. Selbstverpflichtungen, Alle- oder Niemand-Verträge sowie Feedbacks durch die Lehrperson oder sich selbst unterstützen das Tun.  

Das Handlungsmodell «Wollen – Können – Tun» ist kein Patentrezept. Wer als Lehrperson aber möglichst viele Komponenten des Wollens, des Könnens und des Tuns anspricht, trägt dazu bei, dass die Schüler:innen ihre Vorsätze eher umsetzen.   

Der Artikel erschien in «Bildung Schweiz» 7/8 (2016).
Titelbild: Pusch


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