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Bessere Bedingungen für Stadtbäume

Eine grosse grüne Wiese, auf dem Kinder Fussball spielen und mit Buchen im Hintergrund.

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3 Minuten Lesezeit

Biodiversität

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Stadtbäume erbringen wichtige Ökosystemleistungen und tragen wesentlich zur Lebensqualität im Siedlungsraum bei. Damit sie diese Funktionen optimal erfüllen können, braucht es neben der richtigen Baumwahl vor allem auch ein gezieltes Management. 

Stadtbäume werden nicht alt. Im Vergleich zu Bäumen in naturnahen Gebieten beträgt ihre Lebensdauer nur gerade die Hälfte, jene von Strassenbäumen oft weniger als ein Viertel. Höhere Durchschnittstemperaturen sowie häufiger auftretende Extremwetterereignisse verstärken die Stresssituation der Stadtbäume noch weiter. 

Das ist ein grosses Problem. Denn Stadtbäume spielen eine wichtige Rolle für das lokale Klima. Sie tragen zum Wohlbefinden der Bevölkerung bei, fördern die Naherholung und sind wichtige Lebensräume für Kleintiere, Vögel und Insekten. Zudem reduzieren sie die Luftschadstoffe und den Regenwasserabfluss, speichern Kohlenstoff und regulieren die Temperatur. Um diese Ökosystemleistungen optimal erbringen zu können, sind vitale Grossbäume mit voluminöser Baumkrone und einem ausgeprägten Stammdurchmesser nötig. 

Angepasstes Management  

Das Wachstum und insbesondere das Altern oder Reifen der Stadtbäume sind wichtige Faktoren, die zu einer nachhaltigen Entwicklung der nachverdichteten Stadt und zur Gesundheit der Anwohner:innen beiträgt. Um die Lebensdauer der Stadtbäume zu verlängern, müssen durch gezieltes Management die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen und zugleich die eingesetzten Sortimente weiterentwickelt werden.  

Sortimentsentwicklungen, wie sie etwa an der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz oder im Projekt Stadtgrün 2021 der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau betrieben werden, bieten Möglichkeiten zur Anpassung an die sich ändernden Bedingungen für Stadtbäume. Die von Forstbotaniker Andreas Roloff entwickelte Klima-Arten-Matrix ist ebenfalls ein Instrument, das zur Suche nach geeigneten Baumarten verwendet werden kann. In der relativ naturfernen Stadt ist die standortgerechte Arten- und Sortenwahl jedoch nicht ausreichend. Eine Grundvoraussetzung für einen langfristig vitalen Baum ist die Optimierung des Baumstandorts im urbanen Raum. Dies beinhaltet die richtige Pflanzung in angepasstem Substrat, ein strategisches und baumartenspezifisches Pflegemanagement, wie auch die Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung durch entsprechende Kommunikation. 

Das Projekt «i-Tree»  

Im Rahmen der zweiten Phase des Pilotprogramms «Anpassung an den Klimawandel» des Bundesamts für Umwelt (Bafu) hat das Institut für Umwelt und natürliche Ressourcen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) deshalb das Projekt «i-Tree – Städtische Bäume und Wälder klimaadaptiv managen» lanciert. Die in den USA entwickelte und wissenschaftlich geprüfte Software «i-Tree» ermöglicht die quantitative Aufnahme und monetäre Umrechnung von Ökosystemleistungen urbaner Bäume und Wälder. In Zusammenarbeit mit Pan Bern AG und Arbor Aegis wird das Programm mit den Schweizer Klima- und Bevölkerungsdaten erstmals simultan in acht Städten angewendet. Die erfassten Daten werden modelliert, zielgruppengerecht aufgearbeitet und in ein klimaadaptives Management abgeleitet. Die monetäre Auswertung der Leistungen und Funktionen von Stadtbäumen unter derselben Methodik ist ein Novum und kann in verschiedenster Form weiterverwendet werden. 

Das Projekt bietet die Möglichkeit, erstmals Management-Strategien auf der Basis von Ökosystemleistungen zu entwickeln. Das wird die Fähigkeit von Schweizer Städten verbessern, langfristig grosse Baumkronenvolumina bereitzustellen, örtlich konkret zu planen und nachhaltig zu bewirtschaften. Eine zielgruppengerechte Präsentation der Leistungen von Stadtbäumen hilft zudem, das Bewusstsein und die Akzeptanz der Bevölkerung zu stärken. Dann ist die Chance gross, dass Bäume auch in der Stadt wieder alt werden können. 

Der Artikel ist im «Thema Umwelt» 2/2020 erschienen.  
Titelbild: Giorgio von Arb, Grün Stadt Zürich


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