Upcycling by Design – ein zweites Leben für Schreibtische

Lässt sich aus über hundert alten Schreibtischen einer Schweizer Firma etwas Neues machen? Das danach auch noch stylisch ausschaut und in Nutzen und Funktion ein Bedürfnis erfüllt? Eine einzigartige Designherausforderung.
Der pandemiebedingte Ausnahmezustand Homeoffice ist längst zur Normalität geworden. Büros werden auf die neuen Bedürfnisse hin umgestaltet und alte Büromöbel ausrangiert. Im Zentrum stand also die Frage, wie aus vielen alten Bürotischen etwas Neues, Praktisches und Funktionales fürs Homeoffice werden könnte. Gemeinsam mit Girsberger Remanufacturing packten wir diese Aufgabenstellung an und erschufen ein Möbelstück, das ganz auf diesem Nachhaltigkeitsgedanken basiert.
Produktfokus und Idee
Die alten MDF-Tischplatten (mitteldichte Holzfaserplatten) wurden filetiert und so 70 Prozent für die neue, ergonomische Tischplatte wiederverwendet. Das Untergestell für den Homeoffice-Tisch ist ein filigranes und klappbares Rundrohrgestell. Dieses wird mithilfe eines Transport- und Spanngurtensets stabilisiert bzw. einfach transportierbar. Ergänzend kommt ein Tischeinsatz aus dem gleichen Material hinzu, das in zwei Positionen in der Tischfront eingesetzt werden kann.
Vorher: Fürs Upcycling wurde die Tischplatte in Einzelteile zerlegt und zersägt. Bild: Björn Ischi
Verarbeitung
Bei der Verarbeitung wurde stark darauf geachtet, dass die Produktionsabläufe so ressourcen- aber auch kosteneffizient wie möglich sind. Durch diese Prozessoptimierung muss im Nachgang nichts mehr von Hand bearbeitet werden.
Umdenken im Produktdesign
Beim Upcycling geht es darum, das Potenzial eines scheinbar nicht mehr brauchbaren Produkts oder Gegenstandes zu entdecken. Nicht alles kann, aber möglichst viel sollte dabei wiederverwendet werden. Upcycling wird oft noch mit Recycling verwechselt, also alt und ausgedient, höchstens das Material kann noch zurückgewonnen werden. Doch mit dem Fokus Wiederverwendung schon in der Konzeptphase und durch Produktdesign kann etwas wirklich Neuwertiges entstehen.
Upcycling wird oft noch mit Recycling verwechselt.
Gerade dieses Beispiel zeigt, wie grundlegend Design ist. Upcycling-Produkte erhalten durch diesen Design-Prozess ein neues ästhetisches und haptisches Erscheinungsbild, welches in unserer Gesellschaft auch als «neu» akzeptiert wird. Dabei wird auch der wirtschaftliche Aspekt des Produktes in Entwurf und Entwicklung mitberücksichtigt. Die gesellschaftliche Akzeptanz ist selbstredend die Voraussetzung, dass Upcycling mehrheitsfähig wird.
Ein neuer Homeoffice-Tisch
Diese neue Möbellösung ist werkzeuglos auf- und abbaubar und steht den Mitarbeitenden nun für die eigenen vier Wände zur Verfügung. Wird der Tisch mal nicht gebraucht, kann er ganz einfach zusammengeklappt und platzsparend verstaut werden. Auch die Ergonomie ist ein wichtiges Thema, der Tisch ist in drei Höhen einstellbar.
Rethinking Guide
Auf der Website des Rethinking Guide finden Sie weitere Stories zur Kreislaufwirtschaft sowie Anregungen, Tipps und Hintergrundinformationen zum Thema.
Gutes Design ist das Ziel
Das Projekt zeigt, dass es durchaus möglich ist, ökologisch nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die auch gestalterisch und qualitativ auf höchstem Niveau sind. Dazu braucht es einen gut strukturierten Designworkshop mit Expert:innen und klare Zielsetzungen. Im Rahmen von Designsprints und Prototyping werden anschliessend Herausforderungen bezüglich Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Verarbeitung umgehend sichtbar. Durch dieses iterative Vorgehen und die enge Zusammenarbeit können solche Projekte innert Kürze realisiert werden.
Titelbild: Björn Ischi / Dies ist eine gekürzte Artikel-Version. Den Original-Artikel finden Sie in voller Länge auf dem Rethinking Guide.