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Gemeinden
Abfall und Konsum
Praxisbeispiel

Vertrag für ein sauberes Thalwil

Blick auf das Thalwiler Seeufer.

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7 Minuten Lesezeit

Abfall und Konsum

Praxisbeispiel

Thalwil geht zur Reduktion von Littering neue Wege in der Öffentlichkeitsarbeit. Die Gemeinde schliesst mit der Bevölkerung einen Vertrag ab und lanciert gemeinsam mit den Thalwiler Schulen verschiedene Aktionen. Mit Erfolg – die Kampagne kommt an und das Littering nimmt ab.

Städte und Gemeinden spielen im Kampf gegen Littering eine Schlüsselrolle: Sie tragen einen Grossteil der Kosten und stehen in der Verantwortung, die Bevölkerung zu einem korrekten Umgang mit Abfall anzuhalten. Auch in Thalwil war Littering schon lange ein leidiges Thema. Die Gemeinde machte deshalb die Reduktion von Littering zum Legislaturziel und suchte nach einem neuen Ansatz. Den Lead übernahm das Dienstleistungszentrum (DLZ) Infrastruktur, welches für die Anlagen- und Strassenreinigung zuständig und somit nahe am Geschehen ist. 

Wichtig war Thalwil eine langfristige Wirkung. Für die Gemeinde war klar: Die grösste Wirkung zeigen Massnahmen, die bei Verhaltensänderungen ansetzen, und eine Mischung von Massnahmen ist entscheidend. Ausserdem sollten Massnahmen einfach und ausbaubar sein, die Wirkung messbar und die Kosten dank der Möglichkeit zur Wiederholung tief bleiben.  

Im Dialog mit der Bevölkerung 

So startete Thalwil im Sommer 2013 die Kommunikationskampagne «Abfall in den Abfall» basierend auf einer ungewöhnlichen Idee: Alle schliessen mit allen einen Vertrag ab, in dem sie sich verpflichten, keinen Abfall mehr auf den Boden zu werfen. Dafür suchte das DLZ Infrastruktur im Ort bekannte Botschafter:innen, welche auf Plakaten die Thalwiler:innen dazu motivieren, den «Vertrag für ein sauberes Thalwil» zu unterschreiben. Ausserdem war das DLZ jeweils mit einem Stand zum Thema am Thalwiler Gotthardstrassenmarkt präsent.  

Ein Plakat, das zeigt, wie ein Mann seine Unterschrift auf den Vertrag gegen Littering setzt.

Thalwil wird sauber – Botschafter:innen verpflichten sich per Vertrag.

Um das Einhalten des Vertrags zu erleichtern, achtet die Gemeinde auf ausreichende und saisonal angepasste Abfallkübelvolumen. An stark frequentierten Orten ist ausserdem eine tägliche Reinigung Grundvoraussetzung, damit die Plätze sauber bleiben. In Thalwil erhöhen deshalb vor allem im Sommer zusätzliche Abfalleimer das Entsorgungsangebot. Mit einer Banderole versehen, weisen die Kübel auf die Aktion hin. Begleitend führt die Leitung des Unterhaltsdienstes an kritischen Orten Begehungen durch, um durch eine Anpassung der Infrastruktur das Litteringverhalten beeinflussen zu können. Vor allem versteckte Orte sind beliebte Litteringschauplätze. Mit einer offeneren Gestaltung, die gute Einsicht von aussen gewährleistet, hat der Unterhaltsdienst sehr gute Erfahrungen gemacht.  

Engagement von vielen Seiten 

Seit 2014 kann das DLZ Infrastruktur ihre Bemühungen auf weitere Schultern verteilen: Die Schule Thalwil und der Verein Ökopolis, der sich für eine nachhaltige Entwicklung Thalwils einsetzt, unterstützen mit verschiedenen Aktivitäten die Kampagne «Abfall in den Abfall».  

So entstand die für die Kampagne wichtige Arbeitsgruppe bestehend aus Vertretern der Gemeinde, der Schule und des Vereins. Die Gruppe trifft sich jährlich nach dem nationalen Clean-Up-Day für einen Rück- und Ausblick. Unkompliziert und flexibel nimmt sie Verbesserungen vor und gleist neue Ideen auf. Die Gemeinde übernimmt die Koordination und Kommunikation und stellt Hilfsmittel für die Kampagne zur Verfügung. 

Schulen miteinbeziehen 

Für die Thalwiler Schulen wurden drei Module entwickelt, mit dem Ziel, alle Schüler während ihrer Schulzeit auf verschiedenen Stufen spielerisch an das Thema heranzuführen. Zum Beispiel säubern jeweils am nationalen Clean-Up-Day alle Schüler:innen der 2. und 5. Klassen (nach dem Götti-Gotte-Prinzip) den öffentlichen Raum rund ums Schulhaus. Bei einem der Clean-Up-Days waren auch Mitglieder des Vereins Ökopolis mit dabei, gaben auf Fragen Auskunft und machten die gesammelten Abfallmengen sichtbar. Der Verein wurde von der Igora-Genossenschaft für Aluminium-Recycling unterstützt, die zum Thema Abfalltrennen informierte. Igora stellte auch Alu- und Petkübel zur Verfügung und übernahm die Entsorgung des Sammelguts.  

Ergänzend gibt es eine Abfallkübel-Trophy, an der jeweils in der Woche vor dem Clean-Up-Day alle Schüler:innen der 6. Klassen teilnehmen. Dabei versuchen die Klassen, möglichst schnell alle rund 340 auf dem Gemeindegebiet aufgestellten Abfallkübel zu finden und mit Hilfe der angebrachten Codes zu identifizieren. Gewonnen hat, wer die meisten Codes gesammelt und diese auf der Kampagnen-Website erfasst hat. Die Siegerklasse bekommt einen grosszügigen Beitrag für einen Ausflug nach Wahl. Ziel der Aktion ist, die Omnipräsenz von Abfallkübeln mental zu verankern. 

Auch die 4. und 9. Klassen setzen sich mit der Littering-Problematik auseinander: Sie werden im Abfall- und Energieunterricht von Pusch für das Thema sensibilisiert und im Anschluss daran über die Kampagne «Abfall in den Abfall» informiert. Unter anderem aufgrund dieses Engagements wurden die Thalwiler Schulen 2015 als Umweltschulen ausgezeichnet.  

Position beziehen und kommunizieren 

Mit der einfachen Kampagne konnte Thalwil das Thema innerhalb der Gemeinde problemlos lancieren. Der Claim «Abfall in den Abfall» ist wertvoll und wird als roter Faden für alle Aktionen rund um Littering eingesetzt. Die Verträge wurden an Gemeindeversammlungen oder anderen Veranstaltungen aufgelegt, und bis heute haben rund 700 Thalwiler:innen unterschrieben. Auf der Kampagnen-Website wird die Liste der Unterzeichner ständig aktualisiert.   

Seit Kampagnenstart zeichnet Thalwil die Litteringmengen auf und kommuniziert jährlich die Erfolge (siehe Abbildung). Auch die Entwicklung des Unterhaltsaufwands wird im regelmässigen Reporting des Gemeinderates beurteilt. Obwohl die Zahlen eine Verbesserung zeigen, ist das Problem längst nicht gelöst. Aufgrund der wenigen Reklamationen ist aber davon auszugehen, dass sich die Situation in Thalwil verbessert hat und die Bevölkerung zufrieden ist. Dieses Bild bestätigen auch die Mitarbeitenden des Unterhaltsdienstes. 

Diagramm zu abnehmender Littering-Menge in Thalwil von Juni 2023 bis Juni 2017.

Die Abfallmengen haben seit Kampagnenstart deutlich abgenommen.

Thalwil wurde inzwischen mit dem No-Littering-Label ausgezeichnet. Das Label der IG saubere Umwelt (IGSU) bestätigt Städte, Gemeinden und Schulen in ihrem Engagement, motiviert sie zur Weiterführung und macht ihre Leistungen publik. Es verhilft zudem zu einer klaren Positionierung und zu einem öffentlichen Bekenntnis gegen Littering.  

Thalwil bleibt auch in Zukunft sauber 

Seit 2013 konnte Thalwil wertvolle Erfahrungen sammeln. Durch die Arbeitsgruppe ist das Thema etabliert und es ist eine Eigendynamik entstanden. Die Mitarbeiter des Unterhaltsdiensts sind durch ihr Mitwirken viel aufmerksamer und bringen Ideen ein. Auch das Kosten- und Wirkungsverhältnis ist gut, im ersten Jahr waren einmalige Initialkosten, die laufenden Kosten sind tief.  

Littering soll auch in Zukunft ein Thema bleiben und die Arbeitsgruppe wird weitergeführt. Gerade die Aktionen in der Schule sind nach wie vor attraktiv und beliebt. Eine Weiterentwicklung der Kampagne ist einfach möglich, die Gemeinde bleibt Schnittstelle und Initiantin.  

Das Thalwiler Erfolgsrezept

Verschiedene Faktoren tragen dazu bei, Littering gemeinsam mit der Bevölkerung erfolgreich zu reduzieren:  

  • Aktivitäten auf dem Gemeindegebiet koordinieren.

  • Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Gemeinde, Schule und weiteren Interessengruppen bilden.

  • Den Unterhaltsdienst miteinbeziehen.

  • Massnahmen auf mehrere Jahre, flexibel und modular auslegen.

  • Einen Slogan als roten Faden für die verschiedenen Aktionen definieren.

  • Die Gestaltung von Problemorten hinterfragen.

  • Problemorte gezielt mit genügend Abfallkübeln ausrüsten. 

  • Anlagen sauber halten. 

  • Wenn möglich, die Wirkung messen und kommunizieren. 

Der Artikel ist im «Thema Umwelt» 2/2018 erschienen. Titelbild: Wikimediacommons, Jochen Teufel


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