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Vogelschutz im Siedlungsraum – praktische Lösungen gegen Glaskollision

Eine weisse helle Küche mit grossen Fenstern, an denen schwarze Punkte als Vogelschutzfolie sichtbar sind.

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7 Minuten Lesezeit

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Kollisionen mit Glas gehören zu den häufigsten Todesursachen für Vögel im Siedlungsraum. Besonders öffentliche Bauten mit grossen Glasflächen bergen Risiken. Gemeinden können hier gezielt handeln und mit einfachen Massnahmen Gefahrenquellen ausschalten, um den Vogelschutz und die Biodiversität im Siedlungsraum zu stärken.

Moderne Bauten weisen oft einen hohen Glasanteil auf. Auch werden die verwendeten Scheiben tendenziell immer grösser. Was für Menschen für Offenheit und Transparenz steht, wird für Vögel jedoch zur unsichtbaren Gefahr. Jedes Jahr sterben in der Schweiz mehrere Millionen Vögel durch Scheibenanprall.

Toter junger Buntspecht auf Steinboden.

Dieser junge Buntspecht kollidierte schon kurz nach dem Ausfliegen mit einer Glasscheibe. Bild: Hans Schmid

Warum Vögel mit Glas kollidieren

Drei Phänomene spielen bei Glaskollisionen eine zentrale Rolle:

  • Durchsicht (Transparenz): Bei transparentem Glas versuchen Vögel Lebensräume anzufliegen, die sie hinter der Scheibe wahrnehmen. Sie erkennen das Hindernis nicht und prallen dagegen. Solche Situationen entstehen häufig bei Wartehäuschen für Bus und Bahn, Verbindungsgängen oder verglasten Gebäudeecken.

  • Spiegelung (Reflexion): Realitätsnahe Spiegelungen von Bäumen, Himmel oder Grünflächen in Glasfassaden täuschen den Vögeln einen attraktiven Lebensraum vor. Da sie Spiegelbilder nicht von der Realität unterscheiden können, fliegen sie gezielt darauf zu – mit fatalen Folgen.

  • Nächtliches Kunstlicht: Beleuchtete Gebäude ziehen die Vögel an, stören ihre Orientierung und erhöhen das Risiko von Kollisionen mit Fenstern und Fassadenteilen.

Wie können Gemeinden aktiv werden?

In jeder Gemeinde gibt es öffentliche Bauten wie Schulhäuser oder Kindergärten bei denen grosse Glasflächen verbaut werden. Beim Neubau solcher Gebäude kann der Vogelschutz von Anfang an berücksichtigt werden:

  • Weniger Glas: Durch eine Reduktion der Glasflächen wird das Kollisionsrisiko gesenkt. Diese Massnahme dient auch einem guten Raumklima, denn in Zeiten der Klimaerwärmung kann gerade während der Sommermonate eine Überhitzung der Räume ein Problem sein.

  • Geprüfte Vogelschutzmarkierungen: Bei Neubauten lassen sich gefährliche Glasflächen mit geprüften Vogelschutzmarkierungen, die im Glaswerk direkt auf die Scheiben angebracht werden, entschärfen. Bei Scheiben von bereits bestehenden Gebäuden, können Vogelschutzmarkierungen nachträglich mit Folien auf die Gläser appliziert werden. Hierbei handelt es sich nicht um die schwarzen Greifvogelsilhouetten – diese zeigen keine Wirkung. Effiziente Vogelschutzmarkierungen werden über die gesamte Glasfläche angebracht. Es gibt mittlerweile geprüfte Vogelschutzmarkierungen, die weniger als 1 Prozent der Glasoberfläche bedecken. Diese Markierungen verhindern Glasanprall effizient und ermöglichen trotzdem eine gute Sicht durchs Glas.

Fassade einer Turnhalle mit grossem Fensteranteil - das Glas ist mit Vogelschutzmarkierungen bedeckt.

Die Scheiben dieser Sporthalle wurden mit der Schweizer Vogelschutzmarkierung SEEN shiny 9/90 ausgerüstet. Diese ermöglicht einen hocheffizienten Vogelschutz und eine gute Sicht durchs Glas. Bild: Rouven Seidler

Vogelschutz in der Praxis: Wartehäuschen im neuen Look

Für Bau und Unterhalt von Wartehäuschen des lokalen öffentlichen Verkehrs sind die Gemeinden zuständig. Diese Bauten können von Anfang an oder nachträglich mit geprüften Vogelschutzmarkierungen vogelfreundlich gestaltet werden. Auch selbstständig konzipierte Markierungen werden bei Wartehäuschen teilweise angewandt (siehe Foto aus Seon). Damit diese wirksam Vogelkollisionen verhindern, ist es wesentlich, Fachleute bei ihrer Ausarbeitung beizuziehen.

Positive Erfahrungen in Luzern

In der Praxis bewähren sich die geprüften Vogelschutzmarkierungen. In der Stadt Luzern wurden schon verschiedene Wartehäuschen damit ausgerüstet. Laut Angaben von Umweltschutz und Tiefbauamt der Stadt Luzern gab es dort keine Probleme mit der nachträglichen Applikation der Vogelschutzmarkierungen. Es gab weder negative Meldungen zu den Markierungen aus der Bevölkerung noch von Busfahrer:innen betreffend Sichtbarkeit der wartenden Passagiere.

Vandalismus kann an gewissen Standorten vorkommen – es wurden schon Glasmarkierungen abgekratzt. Generell betrifft Vandalismus aber das gesamte Wartehäuschen und nicht spezifisch die Vogelschutzmarkierung.

Mit solchen einfach ausführbaren Massnahmen können Gemeinden in ihren Siedlungen viele Vögel vor Kollisionen schützen und zu einer positiven Entwicklung der Biodiversität im Siedlungsgebiet beitragen.

Broschüren der Schweizerischen Vogelwarte zum Thema

Titelbild: Rouven Seidler


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