Wer sät, der erntet

«Geben und Nehmen» – das ist der Leitsatz des Schulgartenprojekts der Primarschule Thundorf. Wer in Form von Arbeitszeit mithilft, darf als Gegenleistung vom Garten naschen – ein Konzept, das sich in der Praxis bewährt hat.
Die Schulhausumgebung als Lernort nutzen, Pflanzen und Tiere beobachten, ökologische Zusammenhänge erkennen – das waren Ziele des Schulgartenprojekts der Primarschule Thundorf (TG). «Kinder sind im Vergleich zu früher weniger draussen und verlieren deshalb mehr und mehr den Bezug zur Natur», sagt Arno Richter, Primarlehrer an der Schule Thundorf. Know-how über Kreisläufe oder die Herkunft unserer Nahrungsmittel gehen so zunehmend verloren. Da die Kinder weniger in der Natur sind, drehte das Lehrpersonenteam den Spiess um: Die Natur sollte durch eine naturnahere Gestaltung der Schulhausumgebung zu den Kindern kommen.
Know-how suchen
Doch wo soll man ansetzen? Hier fehlte Richter, der zwar selbst hobbymässig gärtnert, das notwendige Wissen. Also musste er das entsprechende Know-how einholen. Eine Naturwissenschaftsstudentin lotete Möglichkeiten für die Umgestaltung aus und besprach die Ideen mit der Schule. «Es ist wichtig, dass das ganze Schulteam hinter dem Vorhaben steht», so Richter. Damit ist auch die Hauswartung mitgemeint, welche in die anschliessende Pflege involviert ist. Für die Detailplanung arbeitete die Schule zudem mit einer Gartenbaufirma zusammen, welche neben Fachwissen auch Material bereitstellte. Eine Hürde jedoch blieb trotz all dieser Hilfe bestehen: die Finanzen.
«Es ist schön, mit den Kindern einmal handwerklich und weniger kopflastig zu arbeiten.»
– Arno Richter, Primarlehrer an der Schule Thundorf
«Die Finanzfrage schwang natürlich immer mit», blickt Richter zurück. Hier waren kreative Ideen der Schule gefragt. Diese setzte deshalb für die Umgestaltung des rund 150 Quadratmeter grossen Areals auf Freiwilligenarbeit und bezog die Eltern der Schulkinder ein. Während einer Projektwoche im Frühling 2022 legten Kinder, Lehrpersonen, Eltern und Mitarbeiter:innen der Gartenbaufirma gemeinsam Hand an. Sie trugen die alte Rasenschicht ab und säten einen Blumenrasen an, pflanzten einen Kräutergarten, setzten Beerensträucher, bauten Insektenhotels und Hochbeete.
Auch Pusch griff der Schule im Rahmen des Programms «Artenvielfalt macht Schule» finanziell unter die Arme. Mit einem Teil dieses Geldes wurden unter anderem Gummistiefel gekauft, damit die Klassen ganz praktisch etwas für die Umwelt tun und unabhängig vom Wetter draussen im Garten wirken können.
Körpereinsatz ist gefordert. Bild: Arno Richter
Den Kreislaufgedanken fördern
Den Kindern Kreisläufe näherzubringen, ist ein zentrales Ziel des Schulgartens. Dadurch, dass die Kinder im Schulgarten anpflanzen, pflegen, ernten und wieder neu ansäen, lernen sie Naturprozesse nicht nur aus dem Schulbuch, sondern in der Realität kennen. Den Kreislaufgedanken berücksichtigt das Schulteam wenn immer möglich auch bei den verwendeten Werkstoffen. So nutzt es wo möglich Recyclingmaterialien, wie etwa bei einer Mauer und beim selbst gebauten Gartenhäuschen.
Einige Monate später ist das Projekt wortwörtlich gewachsen und die Kinder ernten zum ersten Mal Zucchetti, Zwiebeln, Lauch, Bohnen und Beeren. «Es ist schön, mit den Kindern einmal handwerklich und weniger kopflastig zu arbeiten», so Richter. Auch die Helfenden dürfen den Garten besuchen, dort verweilen und an der Ernte teilhaben. Denn diese teilt die Schule in Form von Gutscheinen unter denjenigen auf, die sich mit Arbeit oder Materialspenden am Projekt beteiligt haben – getreu dem Motto «Geben und Nehmen».
Zu Gast in der SRF-Sendung «mitenand»: Im Herbst 2023 zeigen Arno Richter und seine Schüler:innen stolz, wie sich das Projekt entwickelt hat. Quelle:
Das Wichtigste in Kürze
Schule: Primarschule Thundorf, Thurgau
Anzahl Lehrpersonen: 13
Anzahl Schüler:innen: 250
Projektdauer: ab 2021 (bis auf Weiteres)
Projektkosten: 35'000 Franken
Projektverantwortlich: Arno Richter
Involvierte Partner: Gartenbau Lanius
Titelbild: Arno Richter