Pioniergemeinde Wetzikon: Vom Gas- zum Fernwärmenetz

Die Gemeinde Wetzikon (ZH) nimmt in der Energiewende eine Vorbildrolle ein. Sie treibt den Ausbau des Fernwärmenetzes voran und reduziert dabei gezielt den Einsatz von Erdgas. Das Beispiel zeigt, wie der Wandel zu einer klimafreundlichen Energieversorgung mit einer Kombination von Massnahmen gelingen kann.
Im Jahr 2020 sprach sich die Bevölkerung von Wetzikon (ZH) für eine ehrgeizige Energieplanung aus. Damit sollte die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, insbesondere von Erdgas, drastisch reduziert werden. Diese Planung war Teil der Anstrengungen der Gemeinde, auf die klimatischen Herausforderungen und die nationalen Ziele der Dekarbonisierung zu reagieren.
Die Stadt mit rund 26‘500 Einwohner:innen entschied sich dafür, lokale erneuerbare Energiequellen zu bevorzugen, insbesondere die aus der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) zurückgewonnene Wärme sowie die Wärme aus der Abwasserreinigungsanlage (ARA).
Mithilfe dieser Quellen soll ein flächendeckendes Wärmenetz entstehen, das den Grossteil des Wärmebedarfs der öffentlichen und privaten Gebäude der Gemeinde abdecken kann. Dadurch sinkt der CO
Strategische und politische Massnahmen
Der Erfolg von Wetzikon beruht auf nicht-technischen Massnahmen, die den Übergang zum Fernwärmenetz und gleichzeitig den schrittweisen Abbau des Gasnetzes erleichtern. Dies umfasst unter anderem:
Koordinierte Energieplanung: Wetzikon hat eine harmonisierte Planung für das Gas- und das Fernwärmenetz entwickelt. Dieser Ansatz ermöglicht ein effizientes Übergangsmanagement, indem Bereiche identifiziert werden, in denen die Gasversorgung vorübergehend aufrechterhalten wird, bevor sie durch Fernwärme ersetzt wird.
Richtlinien für Gasversorgungsunternehmen: Die Gemeinde als Eigentümerin des Netzes hat den Gasversorgungsunternehmen klare Vorgaben gemacht. So zum Beispiel die schrittweise Stilllegung des Netzes in bestimmten Gebieten, in Übereinstimmung mit den Zielen der Dekarbonisierung.
Abstimmung mit lokalen Akteur:innen: Die Gemeinde hat eng mit den Netzbetreiber:innen sowie den lokalen und regionalen Behörden zusammengearbeitet, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Dadurch konnten die Interessen aller Beteiligten aufeinander abgestimmt und eine kohärente Umsetzung der neuen thermischen Infrastruktur gewährleistet werden.
Finanzielle Anreize: Wetzikon hat Subventionen eingeführt, um den vorzeitigen Ersatz von Gasheizungen zu fördern. Diese Massnahme trägt dazu bei, eine ausreichende Anschlussdichte zu erreichen, um die Wirtschaftlichkeit der Wärmenetze von Anfang an zu gewährleisten.
Anpassung der Konzessionen: Die Gemeinde hat auch die Konzessionsverträge mit den Gasversorgungsunternehmen neu verhandelt, um die Stilllegung von Abschnitten des Gasnetzes zu ermöglichen und die Bezüger:innen auf erneuerbare Alternativen auszurichten.
Mit gutem Beispiel voran
Wetzikon zeigt, wie eine Gemeinde nachhaltige und lokale Lösungen fördern kann, ohne auf komplexe technische Massnahmen zurückgreifen zu müssen. Indem sie die Energieplanung angepasst und günstige Bedingungen für die Entwicklung der thermischen Infrastruktur geschaffen hat, beweist die Stadt: Es ist möglich, die Abhängigkeit von Erdgas zu reduzieren und gleichzeitig ein umweltfreundlicheres Energiemodell einzuführen.
Leitfaden und Online-Bibliothek
Die Online-Bibliothek «Planung thermische Netze» enthält wertvolle Informationen für Gemeinden in jeder Phase ihres Wärmenetzprojekts. Die Bibliothek unterstützt Gemeinden dabei, das volle Potenzial von Wärmenetzen für die Dekarbonisierung ihres Gemeindegebietes zu nutzen. Das Beispiel Wetzikon zeigt, wie gut durchdachte und angepasste nicht-technische Massnahmen diesen Übergang erleichtern und beschleunigen können.
Der Leitfaden zum Gasrückzug (PDF-Download) steht ebenfalls in der Online-Bibliothek zur Verfügung. EBP hat den Leitfaden im Auftrag des Bundesamtes für Energie (BFE) im Rahmen des Programms «Beschleunigung des Ausbau Thermischer Netze», einem gemeinsamen Programm von Bund, Kantonen, dem Schweizerischen Städteverband und dem Schweizerischen Gemeindeverband, verfasst. Der Leitfaden basiert auf konkreten Beispielen wie jenem von Wetzikon. Er bietet eine Reihe von nicht-technischen Lösungen für Gemeinden, unabhängig von ihrer Eigentumsbeziehung zur Gasnetzbetreiberin.
Ergänzend dazu bieten andere Ressourcen wie der Werkzeugkoffer Energieplanung und in Kürze auch ein Leitfaden zur Finanzierung von Wärmenetzen wertvolle Unterstützung für Gemeinden, die sich in diesem Prozess befinden.
Dieser Artikel ist zuerst auf Französisch und in gekürzter Fassung auf Deutsch in der «Schweizer Gemeinde» Nr. 11/2024 erschienen.
Titelbild: KEZO