19.01.2018

Innovation dank nachhaltiger Beschaffung

Nachhaltige öffentliche Beschaffung hat ein enormes Potenzial, Innovation auszulösen. Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland stellten auf Einladung der Stiftung Pusch beeindruckende Beispiele vor und diskutierten, wie sich dieses Potenzial zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung verstärkt nutzen lässt.

Bund, Kantone, Städte und Gemeinden kaufen jährlich für 40 Milliarden Franken Produkte und Leistungen ein. Sie haben es mit ihrer Marktmacht in der Hand, nachhaltige und innovative Lösungen voranzutreiben. Dazu braucht es Know-how, Mut und Offenheit von allen Beteiligten.

Innovative Produkte und Leistungen zeichnen sich oft durch eine bessere Qualität oder mehr Ressourcen- und Energie-Effizienz aus und schlagen sich in tieferen Kosten nieder. Vorausgesetzt, die Kostenberechnungen berücksichtigen neben den Anschaffungs- auch die Betriebs- und die Entsorgungskosten. Wenn diese ganzheitliche Betrachtung der Lebenszykluskosten in das Beschaffungsverfahren Eingang findet, steigen die Chancen, dass sich Innovationen durchsetzen. Aktuell ist das erst vereinzelt der Fall, weil Beschaffer Einsprachen befürchten oder sich nicht exponieren wollen. Aus vergaberechtlicher Sicht ist die Berücksichtigung der Lebenszykluskosten jedoch zulässig. Mit Blick auf die Agenda 2030 mit ihren Zielen für nachhaltige Entwicklung ist sie ein Gebot der Stunde.

Für eine innovationsfördernde Beschaffung gibt es noch ganz andere Ansatzpunkte. So diskutierten an der Pusch-Beschaffungstagung vom 19. Januar 2018 Expertinnen und Experten aus der Schweiz und dem benachbarten Ausland, welche Wege, Ansätze und Rahmenbedingungen es für eine innovationsfördernde Beschaffung braucht. Dazu zählen Ideen- und Projektwettbewerbe, die Zulassung von Anbietervarianten oder funktionale Ausschreibung, die zwar das Beschaffungsziel festlegen, es den Anbietern aber weitgehend offenlassen, auf welchem Weg sie dieses Ziel erreichen. Innovativen Anbieter ermöglichen diese Ansätze, ihr Know-how frühzeitig in den Beschaffungsprozess einzubringen und Marktzugang zu finden. Die Auftraggeber profitieren von zukunftsfähigen Lösungen.

Das Kompetenzzentrum für innovative Beschaffung des deutschen Bundesministeriums für Energie und Wirtschaft zeigte mit eindrücklichen Zahlen die Relevanz auf, die innovationsfördernde Beschaffungen haben. Werden diese um ein einziges Prozent gesteigert, lösen sie einen deutlich höheren Innovationsimpuls aus als die gesamten Bundesfördermittel, die in Forschungs- und Entwicklungsprojekte fliessen. Diese Erkenntnis macht deutlich, dass das Potenzial der öffentlichen Beschaffung für Innovation, aber auch für effizienteren Ressourceneinsatz und eine nachhaltige Entwicklung in der Schweiz unterschätzt wird.

Die Experten aus der Schweiz wie auch aus Deutschland sind sich einig: für einen innovationsorientierten Beschaffungsprozess ist die Vorbereitung absolut entscheidend. Im Bedarfsmanagement und der Marktanalyse liegen die grössten Hebel. Wer in diese strategischen Abklärungen investiert, kann Entwicklungstrends erkennen und in Ausschreibungen einfliessen lassen. Das Beschaffungsrecht lässt dazu verschiedene Möglichkeiten zu und die wegweisende Richtung soll mit der aktuellen Revision des Bundesgesetztes über die öffentliche Beschaffung BÖB verstärkt werden.

Ein weiterer Ansatz, der für nachhaltige Beschaffungen entscheidend sein kann, ist die Überwachung der Auftragsausführung. Der Kanton Waadt ist diesbezüglich Pionier in der Schweiz. Mit dem speziellen Augenmerk auf die Rückverfolgbarkeit und entsprechendem Controlling gelingt es den kantonalen Beschaffungsstellen, bei Arbeitskleidung, IT oder Gemeinschaftsgastronomie punkto ökologischen und sozialen Anliegen vorbildliche Produkte zu erhalten. 

Kontakt

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Felix Meier
Geschäftsleiter
Leiter Pusch für Unternehmen und Kooperationen
044 267 44 71
felix.meier[at]pusch.ch