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Naturoase Zürich Irchel

«Strebergärtli» - mehr als ein Gemüsegarten

Grosse Betongebäude prägen das Bild des universitären Campus Irchel in Zürich. Dazu gesellen sich zurzeit moderne Neubauten. Trotz der Überbauung, bietet der Campus viel Platz für die Natur. Extensive Wiesen, Hecken, Teiche und Weiher wie auch Ruderalstandorte bieten unterschiedlichste Lebensräume, umringt von Siedlungsgebiet. Zum Umschwung zählt auch der Gemüsegarten des Vereins «Strebergärtli» – eine 1'000 Quadratmeter grosse Oase, welche die umgebenden Lebensräume ergänzt.

Das «Strebergärtli» ist jedoch weit mehr als ein einfacher Garten für Studierende, welche in Wohngemeinschaften oft keinen Zugang zu eigenen Gärten besitzen. Die Art und Weise, wie die Fläche genutzt wird, leistet einen wertvollen Beitrag zur Förderung der Biodiversität. Denn der Anbau ist sehr vielfältig und naturnahe gestaltet. Mit dem gemeinsamen Arbeiten im Gärtli sensibilisiert der Verein für die naturnahe Gestaltung von Grünflächen und ist auch an Events wie der Nachhaltigkeitswoche mit dem Thema präsent.

Eine Fläche mit viel Potenzial

Das «Strebergärtli» zeigte von Beginn an Potenzial für eine beispielhafte Naturoase: Motivierte junge Menschen pflegen diverse Fläche und sorgen für den langfristigen, naturnahen Unterhalt. Nur knapp die Hälfte der Fläche wird für vielfältigen Gemüseanbau genutzt. Der Rest bietet zusätzliche, ungestörtere Lebensräume und Nahrung für Insekten, Vögel und Kleintiere. Sinnvolle Mischkulturen, selbst hergestellte, natürliche Pflanzenschutzmittel und Elemente der Permakultur sorgen darüber hinaus dafür, dass auch Gemüsebeete und dazugehörige Begleitflora wertvollen Naturraum bieten.

Vielfältige Nahrungsquellen und Unterschlupfe

Seit Pusch die Entwicklung der Fläche als Naturoase begleiten darf, sind zusätzliche Förderstrukturen für die Biodiversität entstanden. Vielfältige Massnahmen wurden bereits angewendet:

  • Neu gepflanzte, einheimische Wildgehölze wie Hasel, Pfaffenhütchen, Berberitze und Sanddorn werden längerfristig Rückzugsraum und Nahrungsangebot (Blüten, Beeren etc.) für Vögel bilden.
  • Der umgebende Zaun wird mit Hopfen und einheimischem Wald-Geissblatt begrünt, welches neben Nektar auch Brutplätze spenden kann.
  • Auch das Weiden-Haus ist eine wichtige Nahrungsquelle und liefert bereits früh im Jahr Nektar.
  • Die temporär austrocknenden Tümpel sollen die auf dem Campus verteilten Gewässer, wie ein benachbartes Bächlein, ergänzen. Sie dienen Insekten und Amphibien als Fortpflanzungsgewässer.
  • Eine Wildblumenwiese inmitten des Gartens bringt weitere Artenvielfalt und spendet als Nektarweide einen ungestörten Raum für Insekten.
  • Eine Mini-Kräuterspirale mit verschiedenstes Pflanzen bietet Nektar und Unterschlupf in Zwischenräumen.
  • Der grosse Asthaufen verspricht Unterschlupf, Lebensraum und Nahrung für Kleinsäugetiere wie Igel, Insekten, Schnecken sowie Reptilien und Vögel. In Kombination mit den unmittelbar danebenliegenden Tümpeln kann der Asthaufen auch für Amphibien sehr wertvoll sein.
  • Steinstrukturen wie Haufen und eine Trockensteinmauer mit grossen Fugen, Ritzen und Höhlen bieten Amphibien, Reptilien und anderen Kleintieren wie auch Insekten Lebensraum und Nischen zum Verweilen.

Die Fläche wird sich auch künftig naturnah weiterentwickeln. Der Garten soll langfristig bestehen, während sich der Grundriss der Fläche, aufgrund von Neugestaltungen des Campus, noch leicht verändern und verschieben könnte.  

Ein Gemeinschaftswerk

Dieses gelungene Oasenbeispiel ist den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren, welche in die langfristige Entwicklung des Areals involviert sind, zu verdanken. Die Universität Zürich (Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften) welche die Fläche dem Verein «Strebergärtli» zur Nutzung und Gestaltung überlässt und unterstützend zur Seite steht, sowie dem Kanton als Grundeigentümer und der Stadt Zürich, welche sich am Irchel tatkräftig für naturnahe Grünflächen und wertvolle Lebensräume einsetzt und diese pflegt. Nicht zuletzt auch den Studierenden und Vereinsmitgliedern und ihrem Einsatz für die Biodiversität.

Zur Nachahmung empfohlen

Pusch findet die Idee, eine Fläche zur freiwilligen und offensichtlich reibungslosen Pflege durch motivierte Studierende abzugeben, besonders überzeugend. Eine Nachahmung anderer Hochschulen oder öffentlicher Institutionen, mit Raum, welcher für ein derartiges Engagement genutzt werden könnte, wäre sehr wünschenswert.

Manuela vom Verein «Strebergärtli» beschreibt das Potenzial von Naturoasen auf Basis freiwilliger Vereinsengagements treffend:

«Das Strebergärtli ist aus der Idee und Motivation weniger Studierender entstanden. Drei Jahre später sind über 50 interessierte Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund dabei, es entstand ein Ort der Ruhe, des Austauschs und der Biodiversität. Nicht nur die Mitglieder, sondern auch die involvierten Personen der Uni zeigten sich unterstützend und enthusiastisch. Das Gärtli beweist, dass mit einfachsten Mitteln viel erreicht werden kann. Dies hängt sicherlich mit dem verstärkten Bewusstsein zum Thema Nachhaltigkeit bei einer grossen Bevölkerungsschicht zusammen. Ich bin überzeugt, dass auch in anderen Settings solche freiwilligen Engagements für die Biodiversität gut funktionieren können.»

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