Planung

An einer guten Planung für eine effiziente Umsetzung von Förderflächen einheimischer Biodiversität führt kein Weg vorbei. Dabei kann ein Konzept zu einzelnen Aufwertungsprojekten oder ein überge-ordnetes Leitbild zur Biodiversität in der Gemeinde helfen. Darin sind die Rahmenbedingungen grundsätzlich definiert und können laufend verfeinert werden. Hier finden Sie praktische Tipps und Hilfestellungen.

Bei guter Planung können Synergien genutzt und teilweise Fördergelder beantragt werden. Sind bei-spielsweise Hochwasserschutzmassnahmen an Siedlungsbächen geplant, können diese meist kos-tengünstig mit einer ökologischen Aufwertung verbunden werden. Gleiches gilt für Neubauten auf gemeindeeigenen Arealen (Schulhäuser etc.)

Konzept- und Leitbildbeispiele von Kantonen und Gemeinden

Effizient Potenziale nutzen!

Einfache Umsetzungsbeispiele

Planungsinstrumente

Merkblätter und nützliche Links

  • Werkzeugkasten Gemeinde: Das Naturnetz Pfannenstil hat wertvolle Inputs für die Planung in der Gemeinde zusammengestellt. Unter «Prozesse» werden viele der oben genannten kommunalen Förderinstrumente erläutert.
  • Naturnetz Pfannenstil: Auch neben dem Werkzeugkasten einen Besuch wert.
  • Planungshilfe Grün- und Freiflächen: Leitfaden zu «Handlungsspielraum und Hilfsmittel für die Planung, Umsetzung und Bewirtschaftung» (Energie Schweiz für Gemeinden, im Auftrag des BAFU).
  • Naturnahe Grünflächen: Merkblatt des «Kompass Nachhaltigkeit»; bietet kompakte Übersicht und eingebettet gibt’s allgemeine Tipps zur Umsetzung naturnaher Grünflächen
  • Aktionsplan Strategie Biodiversität Schweiz: Grundlage auf nationaler Ebene zu «Einrichtung einer ökologischen Infrastruktur», unter anderem mit Informationen zu «Ergänzungen und Aufwertungen von Schutzgebieten und deren Vernetzung»
  • LEK-Forum: Umfassende Plattform zu Themen rund um Landschaftsentwicklungskonzepte

Inventare und Geoinformations-Systeme

Merkblätter und nützliche Links

  • Geoportal des Bundes: Das thematische Geoportal des BAFU enthält Kataloge wie «Natur- und Landschaftsschutz» und «Wald, Flora, Fauna» und gibt einen Überblick über Biotope von nationaler Bedeutung und weitere Schutzgebiete.
  • Inventare und Kartierungen Zürich: Beispiel-Liste von vorhandenen Naturschutzinventaren und Kartierungen der Stadt Zürich
  • GIS-Browser Zürich: Das Geoinformationsportal des Kanton Zürich. Ein Beispiel aus unzähligen.

Zielsetzung und Flächenpotenziale

Wichtige Punkte für die Zielsetzung

Folgend sind einige Inputs aufgelistet, welche für die Definition von Zielen für eine Aufwertung relevant sein können:

  • Schutz- oder Sensibilisierungsziele: Was steht im Vordergrund?
  • Auf was soll bei den Arten fokussiert werden: Bisheriges Vorkommen, Ansiedelungswahrscheinlichkeit, Verträglichkeit mit bestehender Artengemeinschaft/Konkurrenz, Gefährdungsstatus und Förderpriorität
  • Welcher Vernetzungsbedarf besteht: Lokal prioritärer Bedarf? Anspruch an geplante Fläche? Grösse, Hindernisse/Abgrenzungen (Strasse)?
  • Gibt es bestehende Vorgaben: Bereits Förderungsbemühungen im Gebiet? Vorgaben/Empfehlungen/Konzepte in betroffener Zone?, Raumplanerische Vorschriften?
  • Ziele auf Eigenschaften und Qualität der Fläche abstimmen: Besonnung und Lage der Fläche: Südhänge sind für die Artenvielfalt oft günstig oder gar Voraussetzung. Feuchtigkeit, Nährstoffgehalt, Umgebende Nutzung, Beschattung, Störungen: Nutzung/Begehung der Fläche. Frühere vs aktuelle Nutzung, Bepflanzung und Bebauung, Gefahren und Hürden, z.B. in Form von grossen Strassen oder Bodenbelastungen etc. abklären.
  • Sinnvolle Einpassung in grossräumige Biodiversitätskonzepte und Vernetzungsbestrebungen
  • Verfügbares Budget sowie rechtliche Aspekte: Gefahren bei Gewässern, Schatten-/Laubwurf von Bepflanzungen, (Garten-)Denkmalschutz, etc.
  • Achtung: Speziell im öffentlichen Raum dürfen Naturoasen nicht die Sicherheit gefährden. Beispielsweise müssen Steinlinsen an der Strassenböschung besonders gut gesichert sein, damit die Strassennutzung nicht gefährdet ist. Auch der Bewuchs auf Verkehrsinseln, Baumnischen und Strassenrabatten darf die Übersicht der Verkehrsteilnehmer nicht beeinträchtigen. Kleingewässer an zugänglichen Orten sollten möglichst «kindersicher» angelegt werden.

Zeitplan

Beispiel Wildblumenwiese

Eine Wildblumenwiese wird zwischen Mitte April und Mitte Juni angesät. Spätestens vier Wochen zuvor sollte der Boden dafür vorbereitet werden. Zusätzliche Zeit benötigen Standortabklärungen wie auch die Beschaffung der passenden Saatgutmischung. Hinzu kommt, dass Blumenwiesen typischerweise erst im Folgejahr nach dem Säen gedeihen. Dies ist hinsichtlich einer allfälligen Arealeinweihungen oder für Fototermine etc. relevant und erfordert unter Umständen Kommunikation, wieso die Fläche vorerst brachliegt.

Die Pflege von naturnahen Wiesen wie auch anderen Strukturen muss sinnvoll geplant sein, um die Flächen naturnah zu halten. Pflegepläne sind dabei unerlässlich.

Akteure und Zuständigkeiten

Beispiele für externe Akteure

Es kann sinnvoll und entlastend sein, externe Akteure einzubinden. So lassen sich Synergien nutzen:

  • Gartenbauunternehmen unterhält zentrale Biodiversitätsförderfläche und kann so ihre Sichtbarkeit bei potenziellen Kunden erhöhen.
  • Schulen beteiligen sich an Projekten, um die Öffentlichkeit auf die Biodiversität in der Gemeinde aufmerksam zu machen. Die Flächen lassen sich in den Unterricht einbauen und Hauswarte können möglicherweise die Pflege der Strukturen übernehmen.
  • Ökobüros, naturnahe Gartenbauunternehmen oder auch lokale Naturschutzvereine können beratende Aufgaben übernehmen, um den ökologischen Mehrwert einer Fläche sicherzustellen.
  • Privatpersonen können Aufwertungen von öffentlichen Flächen auf Privatgrund ergänzen.
  • Landwirte können, beispielsweise in Pachtverträgen geregelt, den Unterhalt von Flächen übernehmen.

Substrat, Baumaterial, Pflanzen und Saatgut

Tipps und nützliche Links

Beim Substrat/Boden:

  • Welche Bodenverhältnisse liegen vor und sind diese für Zielarten geeignet? Bestimmte Arten setzen ein spezifisches Bodensubstrat voraus. Dies muss bei der Planung berücksichtigt werden.
  • Es ist sinnvoll auf die vorgefundenen Böden Rücksicht zu nehmen. Diese sind schliesslich meist standorttypisch und haben ebenfalls Berechtigung und ihren Wert. Tiefgründige Bodenbildung dauert Jahrhunderte.
  • Kann möglicher Aushub vor Ort wiederverwendet werden? Eventuell für weitere Förderstrukturen?
  • Für artenreiche Wiesen muss nicht zwingend Boden abgezogen und Wandkies eingefüllt werden. Kontinuierliches Abmagern dauert zwar und Resultate sind oft erst nach Jahren richtig sichtbar. Dennoch ist es eine schonende Methode der Aufwertung ohne Terrain-Veränderungen oder Eingriffe in den Bodenaufbau.
  • Neben Ansprüchen der Zielarten und Lebensräume gibt es weitere Gründe für Anpassungen am Bodenaufbau. Terrainanpassungen oder Altlasten spielen dabei eine wichtige Rolle. Speziell Altlasten können stark das Budget- und die Zeitplanung beeinflussen.
  • Umgang mit Boden: Das Merkblatt der Zentralschweizer Umweltfachstellen deckt wichtige Überlegungen zur Bodennutzung ab.

Bei Baumaterial:

  • Unbehandelt – sind meine Materialien naturbelassen bzw. schadstofffrei?
  • Steine, Back- und Ziegelsteine (z.B. Wildbienenhotel) aber auch Bauholz sind oft mit Fungiziden und Herbiziden behandelt und taugen deshalb nicht zur Biodiversitätsförderung. Neben Pilzen, Moos oder Flechten meiden oft auch Insekten solche Materialien als Lebensraum.
  • Herkunft – Woher kommen meine Materialien?
  • Wenn möglich sind Materialien aus der Region sinnvoll. Exotische Materialien werden von einheimischen Tieren oft als Futterquelle vermieden.
  • Kontamination – schleppe ich unerwünschte Organismen in den Lebensraum ein?
    Speziell bei auswärtig bestelltem Material wie Wandkies etc. sollte darauf geachtet werden, dass man keine Neophyten einschleppt, die einheimische Pflanzen verdrängen. Klare Kommunikation mit dem Lieferanten ist entscheidend.

Bei Pflanzen und Saatgut:

  • Herkunft – sind die Pflanzen heimisch?
    Bei der Bepflanzung sowie bei der Aussaat ist die Herkunft speziell wichtig. Damit sich einheimische Kleintiere ansiedeln, brauchen sie die passende Nahrung. Exotische und lebensraumfremde Pflanzen und Arten sind für viele einheimische Tiere, speziell Insekten und deren Nachwuchs, wertlos, da sie nicht verzehrt werden.
    Entsprechend sind einheimische Pflanzen und Samen wichtig für die Biodiversitäts-Förderung. Weil sie sich über Jahrzehnte an die lokalen Bedingungen angepasst haben, weisen jedoch auch einheimische Pflanzen je nach Region unterschiedliche genetische Ausprägungen innerhalb derselben Art auf. Deshalb ist die lokale Pflanzenartenvielfalt oft die beste Ressource, um Saatgut für stabile und standortangepasste Begrünungen zu gewinnen.
  • Oft ist man bei der Suche nach lokalem Saatgut auf Tipps lokaler/regionaler Naturschutz-ExpertInnen angewiesen.
    • Regioflora.ch bietet empfehlenswerte Informationen über lokales Saatgut. Sie vermitteln Spenderflächen sowie regionale Experten und Expertinnen, welche mit Fachberatungen behilflich sein können.
  • Weitere Vertriebe von lokalem Saatgut:
    • HoloSem: Autochtones (lokales) Saatgut für verschiedene Regionen
    • Regiosaat: Fokus auf die Region «Östliches Mittelland»
  • Qualitativ gutes CH-Saatgut, das schweizweit gut erhältlich ist:
  • Angepasstheit – sind die Pflanzen standortspezifisch ausgewählt?
    Nicht alle einheimischen und ökologisch wertvollen Pflanzen gedeihen an allen Standorten. Zudem sollte man sich überlegen, welche Arten mit dem Projekt spezifisch gefördert werden sollen. Die Wahl der Pflanzen kann dann entsprechend getroffen werden. Allfällig bestehende, wertvolle Bestände sollten durch Neupflanzungen nicht beeinträchtigt werden.
  • Ökologische Pflanzberatung online
    • Floretia.ch stellt für praktisch alle Standorte einen Pflanzvorschlag zusammen. Zudem werden für die jeweiligen Pflanzen mögliche lokale Bezugsquellen vorgeschlagen.
    • Futureplanter.ch erstellt ebenfalls lokal angepasste Bepflanzungsvorschläge. Der Fokus liegt hier klar auf der Förderung von Wildbienenarten.
    • Wildstauden.ch: Auf der Seite der Wildstaudengärtnerei lassen sich nicht nur Pflanzen bestellen, die verschiedenen Arten sind ebenfalls ausführlich porträtiert.

Sichtbarkeit

Was machen andere?

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