Positionen für den Umweltschutz von morgen

11.05.2021

JA zur «Trinkwasserinitiative» und zur «Pestizidinitiative»

Am 13. Juni 2021 entscheidet das Schweizer Volk über zwei Volksinitiativen:

  • Die Initiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz», im Folgenden «Trinkwasserinitiative» genannt
  • Die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide», im Folgenden «Pestizidinitiative» genannt

Beide Initiativen fordern u.a. eine Abkehr von synthetischen Pestiziden in der Landwirtschaft und unterstützen damit eine umweltverträgliche Nahrungsmittelproduktion.

Gesunde Gewässer sind essentiell für die Biodiversität und für die Trinkwassergewinnung. Doch die Gewässer in der Schweiz stehen unter Druck: Die zunehmende Belastung durch Mikroverunreinigungen sowie ein zu hoher Nährstoffeintrag beeinträchtigen die Wasserqualität seit Jahren und führen damit zu einer sinkenden Artenvielfalt sowie einer Beeinträchtigung des Trinkwassers. Schätzungen gehen davon aus, dass 85-90 % der Pestizide in der Landwirtschaft und 10-15 % im Siedlungsraum eingesetzt werden. Die eingesetzte Menge an besonders kritischen synthetischen Pestiziden blieb in den letzten Jahren konstant, müsste jedoch in Zukunft sinken, um sauberes Trinkwasser zu gewährleisten. Hier wie auch beim Nährstoffeintrag besteht somit grosser Handlungsbedarf.

Pusch empfiehlt beide Initiativen aus folgenden Gründen zur Annahme:

  • Für eine nachhaltige Landwirtschaft: Eine nachhaltige Landwirtschaft ist für die langfristige und gesunde Ernährung sowie für den Erhalt der Biodiversität von grosser Bedeutung. Die Unterstützung der Schweizer Bauern mit Direktzahlungen für ökologische Leistungen ist ein wichtiges Instrument, um für die Landwirtschaft in der Schweiz eine nachhaltige Zukunft zu ermöglichen. Die heutigen Anforderungen reichen aber nicht aus. Dass es auch anders geht, zeigen viele Bauern, die heute schon erfolgreich nach den schonenden Bio-Kriterien produzieren. 
  • Vorsorgeprinzip anwenden: Bei Messungen wurden bis zu 100 verschiedene Pestizide in einem einzigen Gewässer nachgewiesen. Wie genau sich verschiedene Wirkstoffe in Kombination auf Gewässerorganismen und Umwelt auswirken, wird bei der Zulassung von Pestiziden nicht erfasst. Es muss daher davon ausgegangen werden, dass Risiken für die Biodiversität bei der Zulassung nur unzureichend abgeschätzt werden können. Auch werden Pestizide und deren Abbauprodukte teilweise auch nach Jahren noch im Boden oder Grundwasser nachgewiesen. Dem Vorsorgeprinzip sollte daher vermehrt Rechnung getragen und auf synthetische Pestizide möglichst verzichtet werden.
  • Biodiversität akut gefährdet: Pestizide beeinträchtigen Organismen im Boden und in Gewässern, insbesondere in kleinen und mittelgrossen Fliessgewässern. Grenzwerte des Gewässerschutzgesetzes werden häufig monatelang und um ein Vielfaches überschritten, wodurch sich Lebensgemeinschaften nicht erholen können. Diese Wirkungen der Pestizide können eine Ursache für den seit langem beobachteten Fischrückgang in den Schweizer Fliessgewässern sein. Der hohe Pestizideinsatz führt auch zu einer Abnahme der Landlebewesen. So hat beispielsweise der Bestand insektenfressender Vogelarten seit 1990 um 60% abgenommen. Weiter wie bis anhin ist deshalb keine Option; es braucht einen Kurswechsel.
  • Nährstoffbelastungen zu hoch: Die Nährstoffbelastung ist in vielen Gewässern nach wie vor zu hoch, was zu einem verminderten Sauerstoffgehalt und schliesslich zu einem Rückgang der Fischarten führt. Auch die Grundwasserqualität ist durch Nitrateinträge belastet, was sich wiederum negativ auf die Trinkwasserversorgung auswirkt. Die beiden Initiativen können den Weg zu einer düngerärmeren landwirtschaftlichen Produktion ebnen.
  • Abbauprodukte im Trinkwasser: Die Beispiele Chlorothalonil und Atrazin zeigen deutlich, dass Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln ins Grundwasser und dadurch bis in das Trinkwasser gelangen können. Bei über der Hälfte der Grundwassermessstellen werden regelmässig Pestizide oder deren Abbauprodukte nachgewiesen. Die Trinkwasserressourcen müssen zwingend nachhaltig geschützt werden. Beide Initiativen leisten dazu einen wesentlichen Beitrag.
  • Es braucht Druck: Pusch begrüsst die parlamentarische Initiative zur Risikoreduktion beim Einsatz von Pestiziden (PaIV 19.475) und erachtet eine gesetzliche Verankerung als effektiven Weg, die Pestizidbelastungen zu senken. Allerdings zeigt sich, dass bisherige Umweltziele des Bundes in der Landwirtschaft nicht erreicht wurden. Hinsichtlich der Reduktion der Stickstoffeinträge in Gewässer wurde die PaIV im Verlauf der politischen Diskussion in der Frühlingssession 2021 stark abgeschwächt. Beim vom Bundesrat im April 2021 verabschiedeten Massnahmenpaket „Sauberes Wasser“ ist unklar, welche der vorgeschlagenen Massnahmen die Vernehmlassung überstehen werden. Der Druck beim Gewässerschutz muss aufrechterhalten bleiben. Dies auch im Hinblick auf eine unklare Ausrichtung der Agrarpolitik 22+. Deshalb braucht es ein JA zu beiden Initiativen.

Pusch ist überzeugt, dass neben der Landwirtschaft auch andere Akteure wie die Hersteller von Pestiziden oder der Detailhandel adressiert werden müssen. Zudem sollen auch Konsumentinnen und Konsumenten angesprochen werden. Aus folgenden Gründen:

  • Nachfrage beeinflusst Angebot: Bereits heute haben Konsumenten die Möglichkeit, biologisch hergestellte Lebensmittel zu kaufen und somit Einfluss auf Produktionsmethoden im In- und Ausland zu nehmen. Hier braucht es weitere Aufklärung über Zusammenhänge zwischen Kaufentscheiden und Umweltauswirkungen. Pusch setzt sich beispielsweise mit dem Umweltunterricht dafür ein.  
  • Einfluss auf Food Waste: Food Waste ist Ressourcenverschwendung. Diese vergebens produzierten Lebensmittel bedeuten unnötige Einträge von Nährstoffen und Pestiziden in die Umwelt im In- und Ausland. Es braucht konkrete Massnahmen, Hilfestellungen und bewussterer Konsum damit Food Waste vermieden werden kann. Konsumentinnen und Konsumenten sind hier gefordert, denn ein Grossteil der Lebensmittelverschwendung liegt in ihrer Hand. Pusch setzt sich mit der «Save Food, Fight Waste.» dafür ein.
  • Pestizide im Privathaushalt meiden: Rund ein Zehntel der eingesetzten Pestizide wird durch Privathaushalte eingetragen. Hier braucht es Bildungsarbeit u.a. zum alternativen Pflanzenschutz in Gärten und auf Plätzen, wo Pusch mit der Plattform Bewusst wie! bereits einen wichtigen Beitrag leistet.

Bei einer Annahme der Trinkwasserinitiative fordert Pusch bei der Umsetzung die Berücksichtigung folgender Punkte:

  • Definition Pestizide: Bei der Definition von Pestiziden ist darauf zu achten, dass nicht synthetische Pestizide ausgenommen werden, da diese wenig problematisch sind.
  • Futterzukauf: Der regionale, allenfalls sogar nationale Futterzukauf sollte erlaubt sein.
  • Systemgrenze: Dem Schutz der Schweizer Landwirtschaft vor übermässigen Importen ist im Fall einer Annahme entsprechend Rechnung zu tragen.

Kontakt

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Felix Meier
Geschäftsleiter
Leiter Pusch für Unternehmen und Kooperationen
044 267 44 71
felix.meier[at]pusch.ch