Nachhaltige IT-Beschaffung: Praxistipps für Gemeinden

Wie beschaffen Gemeinden IT-Geräte möglichst nachhaltig? Wer ökologische und soziale Auswirkungen über den gesamten Lebenszyklus der Geräte berücksichtigt, schafft die Grundlage für eine nachhaltige Beschaffung. Der grösste Hebel liegt dabei oft vor dem eigentlichen Kaufentscheid.
IT-Geräte gehören schon lange zur Grundausstattung jeder Gemeindeverwaltung. Die Produktion der Geräte ist ressourcenintensiv und in globale Lieferketten eingebunden. Rohstoffabbau, Energieverbrauch und Arbeitsbedingungen wirken sich auf Umwelt und Menschen weltweit aus.
Die grössten Hebel liegen vor der Beschaffung
Nachhaltige IT-Beschaffung beginnt nicht beim Angebot, sondern bei der kritischen Bedarfsprüfung: Muss überhaupt (neu) beschafft werden? Lässt sich ein Gerät länger nutzen, reparieren oder aufrüsten? Kommen ein wiederaufbereitetes Gerät oder ein Mietmodell infrage?
Gerade bei IT-Geräten ist dieser Schritt entscheidend: Rund 80 Prozent aller Emissionen des gesamten Lebenszyklus von IT-Hardware entstehen bereits bei der Herstellung. Die Nutzungsphase fällt demgegenüber deutlich weniger ins Gewicht. Eine längere Nutzung verbessert deshalb die Umweltbilanz deutlich.
Laptops werden häufig nach drei bis fünf Jahren ersetzt. Ein zusätzliches Nutzungsjahr senkt die jährlichen Treibhausgasemissionen eines Geräts um rund 20 bis 25 Prozent. Wird die Nutzungsdauer von drei auf sechs Jahre verdoppelt, halbieren sich die jährlichen Emissionen nahezu.
Die wichtigsten Hebel auf einen Blick
Bedarf kritisch prüfen: Muss wirklich (neu) beschafft werden?
Geräte möglichst lange nutzen
Reparaturen und Wiederverwendung fördern
Einsatz wiederaufbereiteter Geräte prüfen
Nachhaltigkeitskriterien verbindlich festlegen
Geeignete Labels als Nachweis nutzen
Rücknahme und Weiterverwendung sicherstellen
Nachhaltigkeit verbindlich verankern
Wenn klar ist, dass eine Beschaffung notwendig ist, können Gemeinden sich an bestehenden Hilfsmitteln orientieren.
Die Weisung P025 des Bundes definiert ökologische und soziale Anforderungen über den gesamten Lebenszyklus von IT-Geräten und eignet sich sowohl für Ausschreibung als auch für freihändige Beschaffungen. Die Anforderungen lassen sich mit anerkannten Labels und Zertifikaten nachweisen. Nachhaltigkeitskriterien können dabei mit 20 bis 30 Prozent gewichtet werden.
Diese Weisungen sind für die zentrale Bundesverwaltung verbindlich. Für Kantone und Gemeinden dienen sie als hilfreiche Orientierung.
Weisung P025: Ökologische und soziale Vorgaben für die Beschaffung von IKT-Geräten
Weisung P026: Ressourcen- und Umweltstandards für den Betrieb der IKT-Infrastruktur
Labels erleichtern die Umsetzung
Bewährte Labels erleichtern die nachhaltige IT-Beschaffung. Ein etabliertes Beispiel ist «TCO Certified», das bei der Stadt Zürich als Mindestanforderung für die Beschaffung von IT-Hardware dient. Das Label umfasst ökologische und soziale Anforderungen in den Bereichen Klima, Stoffe, Kreislaufwirtschaft und Lieferkette. Die Einhaltung der Label-Kriterien wird durch Dritte geprüft und Produktionsbetriebe werden regelmässig kontrolliert.
Gerade Gemeinden mit begrenzten personellen Ressourcen profitieren von Instrumenten wie dem Product Finder von TCO Certified. Er erleichtert die Auswahl zertifizierter Geräte und ermöglicht es, Nachhaltigkeitsaspekte systematisch zu berücksichtigen, ohne umfangreiches Spezialwissen aufbauen zu müssen.
Hilfsmittel für die Praxis
Merkblatt IKT-Geräte – Wissensplattform nachhaltige öffentliche Beschaffung (WÖB): Informationen zu sozialen und ökologischen Risiken sowie Beschaffungskriterien mit Textbausteinen für Ausschreibungen.
Nachhaltigkeitsstandard Stadt Zürich (IT-Hardware): Kriterien und Anforderungen für nachhaltige IT-Beschaffung.
Weisung Kanton Bern (ICT Client Hardware): Vorgaben für nachhaltige IT-Beschaffung.
Kriteriensammlung Kreislauffähige Beschaffung – Beschaffungskonferenz des Bundes (BKB): Eignungskriterien, technische Spezifikationen und Zuschlagskriterien inklusive Nachweisanforderungen für Ausschreibungen.
Labelinfo.ch: Plattform zur Bewertung und Einordnung von Nachhaltigkeitslabels für verschiedene Produktgruppen, darunter elektronische Geräte.
Leitfaden umweltfreundliche Softwarebeschaffung (Umweltbundesamt): Hilfestellung für nachhaltige Kriterien bei der Softwarebeschaffung.
IGöB-Ateliers: Praxiswissen teilen und voneinander lernen
Die Interessengemeinschaft nachhaltige öffentliche Beschaffung (IGöB) organisiert jährlich zwei bis drei kostenlose Online-Ateliers zu spezifischen Beschaffungsthemen. Ob IT, Textilien, Veranstaltungen oder Kommunalfahrzeuge – die Ateliers bieten einen niederschwelligen Rahmen, um Praxisfragen zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und von den Lösungen anderer Gemeinden und Städte zu profitieren. Kurze Fachinputs und der Dialog auf Augenhöhe liefern Impulse für die eigene Beschaffungspraxis.
Mehr erfahren und aktuelle Termine: www.igoeb.ch/ateliers