Mit breiter Sensibilisierung zum Ziel

Der Kanton Luzern hat einen eigenen Fahrplan entwickelt, um der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken – nicht zuletzt, um das gefasste Netto-Null-Ziel zu erreichen. Im Fokus stehen die Gastronomie und Privathaushalte.
Die Vermeidung von Lebensmittelabfällen ist aus verschiedenen Gründen ein wichtiges Anliegen für den Kanton Luzern. Die Kantone haben mit der Verordnung über die Vermeidung und Entsorgung von Abfällen (VVEA) den Auftrag erhalten, die Vermeidung von Abfällen voranzutreiben. Die Reduktion von Food Waste ist dabei ein zentraler Hebel, da die Umweltbelastung durch die Lebensmittelverschwendung im Vergleich zu vielen anderen Abfällen wie beispielsweise Plastik besonders gross ist. Food Waste ist immer noch eine unterschätzte Grösse. In der Schweiz verursacht die Lebensmittelverschwendung gleich viel Umweltbelastung wie die Hälfte des motorisierten Individualverkehrs.
Strategisch verankert
Der Kanton Luzern hat sich deswegen zum Ziel gesetzt, Food Waste durch verschiedene Massnahmen zu verringern. Die Grundlagen hierfür hat der Kanton in der Abfallplanung sowie im Planungsbericht Klima und Energie 2021 gelegt.
Die Abfallplanung dient als Steuerungs- und Führungsinstrument. Mittels der festgelegten Massnahmen werden die Vermeidung, Verwertung und Entsorgung von Abfällen weiter optimiert und die Entsorgungssicherheit langfristig sichergestellt. Ziel ist es, Ressourcen zu schonen. Damit auch kommende Generationen von natürlichen Rohstoffen profitieren können, ist ein nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen zentral.
Der Planungsbericht Klima und Energie 2021 erläutert, wie das vom Kantonsrat festgelegte Ziel «Netto null Treibhausgasemissionen bis 2050» erreicht werden kann. Die Reduktion von Food Waste ist dabei eine von vielen Massnahmen.
Das Thema kommt an
Die Vernehmlassung beider strategischer Grundlagen hat gezeigt, dass zum Thema Food Waste und dessen Bekämpfung eine grosse Einigkeit bei den Parteien, Interessenverbänden sowie Privatpersonen herrscht. Es gab keinerlei Einsprachen gegen die geplanten Massnahmen und die damit verbundenen Kosten. Im Gegenteil wurde sogar vielfach positiv hervorgehoben, dass der Kanton Massnahmen gegen Food Waste ergreift. Diese positive Grundhaltung der meisten Akteur:innen ist ein motivierendes Zeichen für andere interessierte Gemeinden und Kantone, die sich dem Thema Food Waste widmen möchten.
Eine Studie zeigte, dass Unklarheiten über die Datumsbezeichnungen «Mindestens haltbar bis» und «Verbrauchen bis» herrschen, was zu mehr Food Waste führt.
Food Waste – ein Problem der anderen
Eine Herausforderung beim Thema Lebensmittelabfälle bleibt jedoch, das Bewusstsein der verschiedenen Verursacher:innen dafür zu wecken, dass sie einen Anteil an der Entstehung von Food Waste haben und sie auch selbst einen Beitrag zur Reduktion leisten können. Eine Studie des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) hat beispielsweise gezeigt: Die meisten Privatpersonen gehen davon aus, dass Food Waste vor allem bei anderen Personen und Prozessschritten (zum Beispiel im Detailhandel) entsteht. Ebenfalls geht aus dieser Studie hervor, dass Unklarheiten über die verschiedenen Datumsbezeichnungen «Mindestens haltbar bis» und «Verbrauchen bis» herrschen, was wiederum zu vermehrtem Food Waste führt.
Was Luzern genau plant
Food Waste entsteht in verschiedenen Bereichen der Wertschöpfungskette von Lebensmitteln. Der Kanton Luzern legt für die Bekämpfung von Lebensmittelabfällen deshalb aktuell zwei Schwerpunkte: bei der Gastronomie und bei den Privathaushalten. In beiden Bereichen fällt aus unterschiedlichen Gründen Food Waste an. Somit sind auch die Massnahmen, die es sinnvollerweise zu ergreifen gilt, sehr verschieden.
Gastronomie: Im Bereich der Gastronomie setzt der Kanton Luzern mit dem Projekt «Food Save Luzern» auf die Zusammenarbeit mit dem Projektpartner United Against Waste. Der Verein setzt auf eine konsequente Messung von Food Waste und einen individuellen Massnahmenplan für die einzelnen Gastronomiebetriebe, die sich am Projekt beteiligen. Vorangegangene Projekte in der Schweiz erreichten so eine Reduktion von Food Waste um durchschnittlich 35 Prozent, im Maximum sogar von bis zu 70 Prozent. Diese Zahlen zeigen sehr deutlich, dass die Gastronomie über grosses Potenzial zur Reduktion von Lebensmittelabfällen verfügt.
Privathaushalte: Zur Sensibilisierung von Privathaushalten setzt der Kanton Luzern bereits seit Jahren auf Kampagnen. Diese haben sich jeweils allgemein mit dem Thema Food Waste und dessen Vermeidung befasst. Zum Beispiel ist im Rahmen der Zentralschweizer Kantonskampagne «E chline Schritt» eine Ausstellung entstanden, die über das Thema Food Waste informiert. Gemeinden können diese Ausstellung auch weiterhin mieten, um sie für die Sensibilisierung zu nutzen.
Haltbarkeit sorgt für Verwirrung
Wie die erwähnte Bafu-Studie zeigt, herrscht oft Unklarheit bezüglich des Mindesthaltbarkeitsdatums und des Verbrauchsdatums. Um mehr Klarheit zu schaffen, sind vor wenigen Monaten zwei neue Leitfäden im Auftrag des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) zum Thema erschienen. Der Kanton Luzern hat daraufhin beschlossen, ebenfalls Massnahmen mit diesem Themenfokus zur Sensibilisierung von Privatpersonen zu ergreifen. Ziel ist es, der Bevölkerung die neuen Erkenntnisse zum Thema Mindesthaltbarkeitsdatum näherzubringen und aufzuzeigen, welche Lebensmittel darüber hinaus konsumierbar sind und wie lange (MHD+).
Für dieses Projekt arbeitet der Kanton mit dem Projektpartner foodwaste.ch sowie der Agentur Umsicht zusammen. Es ist geplant, auch weitere interessierte Akteur:innen für das Thema zu gewinnen, wie beispielsweise andere Kantone, Gemeinden oder Unternehmen. Aktuell befindet sich Luzern noch in der Projektierungsphase, konkrete Massnahmen folgen erst noch. Es gibt jedoch bereits unterschiedliche vielversprechende Ideen, wie das Thema MHD+ vermittelt werden könnte. In den kommenden Wochen und Monaten wird der Kanton diese gemeinsam mit den Projektpartner:innen und weiteren Akteur:innen konkretisieren.
Dranbleiben lohnt sich
Gerade bei der Sensibilisierung von Privatpersonen ist eine wichtige Devise: Steter Tropfen höhlt den Stein. Es hat sich gezeigt, dass es nicht ausreicht, eine einmalige kurze Aktion zum Thema Food Waste durchzuführen, und dann darauf zu hoffen, dass die Informationen hängen bleiben. Es braucht Informationen und Sensibilisierung auf verschiedenen Kanälen und mit verschiedenen Herangehensweisen über einen längeren Zeitraum, um einen relevanten Einfluss auf das tägliche Verhalten der Bevölkerung zu haben. Eine gute Grundvoraussetzung für die Sensibilisierung im Bereich Food Waste besteht, wenn sich alle Akteur:innen über die Wichtigkeit des Themas einig sind und das grosse Potenzial zur Ressourcenschonung und zum Klimaschutz erkennen. Dieses Wissen sollten die Gemeinden, Kantone und alle anderen Akteur:innen nutzen, um einen positiven Beitrag zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen zu leisten.
Der Artikel erschien im «Thema Umwelt» 3/2022.
Titelbild: Umsicht – Agentur für Umwelt und Kommunikation