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Praxisbeispiel

Loslassen lernen: Die Schule Altweg plant eine partizipative Projektwoche

Eine schön gestaltete Planungskarte zeigt den nächsten Schritt: Wie die Schüler:innen eine Entscheidung treffen können.

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6 Minuten Lesezeit

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Praxisbeispiel

Nachhaltigkeitsprojekte von A bis Z selbst planen und umsetzen – schaffen das die Schüler:innen des Schulhauses Altweg? Für Lehrpersonen heisst das: vom Lehren zum Begleiten. Ein Blick in die Vorbereitung für die Projektwoche «Aufbruchstimmung!».

Sechs Monate zuvor: Das Kollegium der Schule Altweg startete im Herbst 2025 mit viel Engagement in die Planung der partizipativen Projektwoche – aber auch mit Unsicherheit. «Am Anfang haben wir uns alle gefragt, wie wir dieses Konzept auf die Beine stellen können», erinnert sich Mittelstufenlehrerin Anaïs Kyburz.

Ein strukturierter Planungsstart hilft

In der Tat eine organisatorische Herausforderung, denn die Projektwoche soll mit rund 450 Schüler:innen aus 22 Klassen stattfinden – jeweils zwei Klassenstufen durchmischt, der Kindergarten separat. Geholfen habe vor allem der Austausch im Team und der gemeinsame erste Entscheid. «Dieser ist wichtig», pflichtet auch Stéphanie Epprecht, Projektleiterin von «Aufbruchstimmung!» bei Pusch bei. «Es braucht die Bereitschaft aller, sich auf eine solche Projektwoche einzulassen.»

Eine wichtige Rolle spielt fortan auch die vierköpfige Arbeitsgruppe, bestehend aus Lehrpersonen aus allen Stufen. Sie übernimmt die Organisation der Projektwoche und die Koordination im Schulteam.

«Aufbruchstimmung!» heisst: Selber etwas zu bewirken

Projektwochen wie «Aufbruchstimmung!» zeigen, wie Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im Schulalltag konkret werden kann. Schüler:innen beschäftigen sich mit realen Fragestellungen aus ihrem Umfeld und gestalten Lösungen für ein besseres Miteinander.

Dabei entwickeln sie wichtige Kompetenzen wie Zusammenarbeit, kritisches Denken, Kreativität und Partizipation. Diese «Zukunftskompetenzen» sind auch im Lehrplan 21 verankert. Lesen Sie mehr dazu, wie das aussehen kann, im Artikel Partizipative Projektwoche in Grafstal

Bei der Arbeitsgruppe laufen die Fäden zusammen

Für die Arbeitsgruppe bedeutet ihre Aufgabe jedoch weit mehr als nur Termine zu koordinieren. Sie wird zur Drehscheibe im Schulteam, erklärt Hintergründe und nimmt die Kolleg:innen Schritt für Schritt mit. «Aus der Planungsgruppe kamen immer wieder konkrete Ideen und hilfreiche Informationen», sagt DaZ-Lehrerin Ramona Berger. «So habe ich mich nach und nach sicherer gefühlt.»

Stéphanie Epprecht betont: «Schüler:innen einzubeziehen braucht einiges an Vorlauf.» Entscheidend seien regelmässige Treffen mit klaren Zielen. Sie geben dem Prozess Struktur – und schaffen die Grundlage dafür, dass später echte Partizipation entstehen kann.

Zwei Personen betrachten eine Aufstellung der 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung.

Für welche der 17 SDGs sollen die Schüler:innen ihre Ideen realisieren? Das Lehrteam grenzt ein.

Vom breiten Themenspektrum zum Themenfokus

Im Zentrum der partizipativen Projektwoche «Aufbruchstimmung!» stehen die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs). Diese 17 globalen Ziele zeigen Wege zu einer nachhaltigeren und gerechteren Welt.

Damit die Auseinandersetzung greifbar bleibt, trifft das Kollegium eine Vorauswahl von fünf Zielen: «Gesundheit und Wohlergehen», «Leben an Land», «Nachhaltiger Konsum und Produktion», «Massnahmen zum Klimaschutz» und «Frieden und Gerechtigkeit». So entsteht ein klarer thematischer Rahmen, der Orientierung bietet und gleichzeitig den Schüler:innen Ideenraum lässt.

Wenn Schülerideen Form annehmen

Im Unterricht nähern sich die Klassen diesen Themen altersgerecht an. Gemeinsam überlegen die Schüler:innen, was diese grossen Begriffe mit ihrem eigenen Alltag zu tun haben – und wo sie selbst etwas bewegen können. Schnell sprudeln die Ideen: Ob ein Spendenlauf, ein Kochbuch mit klimaneutralen Rezepten, die Komposition eines Klimasongs oder ein Zuhause für einheimische Tiere, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Im nächsten Schritt bringen die Lehrpersonen Struktur in diese Vielfalt. Sie bündeln die Vorschläge thematisch und schreiben sie zur Wahl aus. So finden sich Schüler:innen aus verschiedenen Klassen zu Projektgruppen zusammen – und werden ihre Ideen während der Projektwoche gemeinsam in die Tat umsetzen.

Wie geht Partizipation im Kindergarten?

Im Kindergarten zeigt sich schnell: Offene Partizipation ist anspruchsvoll. Die Kinder brauchen viel Orientierung, Beziehung und Sicherheit – besonders in gemischten Gruppen. Deshalb passt das Team das Konzept an. Es setzt bewusst auf mehr Struktur und klare Abläufe.

Anhand von Plakaten, die die Kindergartenlehrpersonen gestaltet haben, entscheiden sich die Kinder für ein Thema für die Projektwoche, die Umsetzung folgt einem Leitfaden mit kleineren Aufgaben. Mitbestimmung bleibt wichtig, sie wird aber stärker geführt.

Zwei Kinder sitzen gemeinsam vor dem Laptop und besprechen ihre Arbeit.

Selbständig handeln heisst, eigene Entscheidungen treffen – und genau das stärkt Schüler:innen im geschützten Raum Schule.

Begleiten statt leiten: ein Rollenwechsel

Mit dem Start der Projektwoche verändert sich auch die Rolle der Lehrpersonen. Sie begleiten die Gruppen bei der Planung, stellen gezielte Fragen und regen zur Reflexion an. Die Entscheidungen aber liegen bei den Schüler:innen. Jede Gruppe klärt ihre Ziele, überlegt, wen und was sie dafür braucht, und erstellt einen realistischen Zeitplan.

«Für viele Lehrpersonen ist dieses Loslassen zunächst herausfordernd», sagt Stéphanie Epprecht. «Aber es zahlt sich aus.» Denn am Ende entsteht oft viel mehr als nur ein gelungenes Projekt. «Kinder und Jugendliche erleben, dass ihre Ideen ernst genommen werden», berichtet sie. «Sie wachsen über sich hinaus und spüren, dass sie selbst etwas bewirken können – und genau das bleibt.»

Tipps und Hilfsmittel für ein Kollegium

Erfolgreiche Projektwochen – gerade mit grosser Mitbestimmung durch Schüler:innen – entstehen durch eine sorgfältige Planung und guter Kommunikation. Auch eine gutes Zeitmanagement und klare Verantwortlichkeiten helfen, ein ganzes Schulteam zu begeistern.

Mit der Toolbox «Aufbruchstimmung!» wird die Vorbereitung und Durchführung unkompliziert und gut strukturiert. Auch eine Weiterbildung oder Prozessbegleitung durch Workshops oder Coaching kann ein Kollegium darin unterstützen und die Vorbereitungszeit verkürzen.


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