Wiederverwenden statt wegwerfen: Das können Gemeinden tun
Wer wiederverwendet, repariert und teilt, schont im Alltag wertvolle Ressourcen. Doch das ist nicht nur Privatsache: Gemeinden können zusammen mit den richtigen Partner:innen dazu beitragen, dass die Einwohner:innen ihre Alltagsgegenstände nicht einfach entsorgen, sondern ihnen ein zweites – oder drittes – Leben schenken.
Wieso Wiederverwendung so wichtig ist
Wer den Lebenszyklus eines Produkts von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung betrachtet, merkt schnell: Bei sehr vielen Alltagsgegenständen fallen in der Produktion die meisten Treibhausgas-Emissionen an.
Indem wir bereits vorhandene Gegenstände länger nutzen, können wir den CO
Das können Gemeinden tun
Wie Privatpersonen mit Alltagsgegenständen umgehen, ist zwar ihre persönliche Entscheidung. Doch Gemeinden können viel bewirken, wenn sie sich aktiv für mehr Ressourcenschonung starkmachen. Zum Beispiel, indem sie Secondhand- und Sharing-Plattformen unterstützen und Aktionstage zum Thema Kreislaufwirtschaft durchführen. Dazu haben wir Ihnen eine Übersicht mit inspirierenden Möglichkeiten und relevanten Partner:innen zusammengestellt.
Reparaturführer.ch
Zahlreiche Kantone, Städte und Gemeinden haben sich im Verein Reparaturführer.ch zusammengeschlossen. Sie engagieren sich dafür, dass mehr Alltagsgegenstände repariert werden. Der Reparaturführer bietet einen Überblick über Reparaturmöglichkeiten in der jeweiligen Region. Gemeinden unterstützt der Verein zudem mit Werbematerial und einem Leitfaden zur Durchführung eines Reparaturtages oder von ähnlichen, auf die Kreislaufwirtschaft ausgerichteten Aktionstagen.
Die Unterstützung sowie Informationen zur Mitgliedschaft finden Sie auf der Website Reparaturführer.ch.
Repair Café
Repair Cafés sind lokal organisiert und ehrenamtlich. Freiwillige reparieren kostenlos Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Textilien, Spielzeug und vieles mehr. Als Gemeinde können Sie Repair Cafés mit Infrastruktur (z.B. mit einem passenden Lokal), finanziell oder mit Kommunikation über die Gemeindekanäle unterstützen.
Auf der Website der Repair Cafés finden Sie weitere Informationen zur Planung und Durchführung des Anlasses.
Wie das Repair Café in Bottmingen zur Erfolgsgeschichte wurde, zeigt unser Artikel .
Leihläden
Leihläden wie die LeihBar in Bern funktionieren wie «Bibliotheken der Dinge»: Sie verleihen Geräte und Gegenstände, die man nur selten oder kurzzeitig braucht. So verstauben Bohrmaschinen, Hochdruckreiniger, Soundanlagen oder Festbänke nicht ungenutzt zuhause – das schont wertvolle Ressourcen. Als Gemeinde können Sie solche Angebote unterstützen oder gar initiieren, indem Sie bei der Suche nach Lagerräumen helfen oder finanzielle Mittel zur Verfügung stellen.
So tragen Sie aktiv dazu bei, dass Sharing und Nachhaltigkeit in der Region gelebt werden. Auf der Website der LeihBar finden Sie weitere Informationen und eine Karte mit Leih-Angeboten in der Schweiz.
Pretty Good
Die Organisation Pretty Good baut regionale Hubs auf, in denen beim Entsorgungshof abgegebene Gegenstände geprüft und wiederaufbereitet werden. Anschliessend werden die Produkte wieder verkauft oder an gemeinnützige Organisationen abgegeben. Die Aufbereitung und allfällige Reparatur übernimmt ein Netzwerk aus Arbeitsintegrationsorganisationen und Reparaturpartner:innen. Ein solches Projekt läuft derzeit zum Beispiel in der Region Zug. Für den Aufbau eines regionalen Hubs braucht es unterschiedliche Akteur:innen, darunter auch die öffentliche Hand.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website von Pretty Good.
Walk-in Closet
Der Verein Walk-in Closet Schweiz ist ein Netzwerk, das sich für einen nachhaltigen Umgang mit Kleidung einsetzt und schweizweit mit Freiwilligen Kleidertauschbörsen organisiert. Damit die Tauschbörsen stattfinden können, brauchen die ehrenamtlich arbeitenden Standortverantwortlichen passende Locations, Werbemittel und genügend Helfer:innen.
Lokale Akteur:innen und die öffentliche Hand können das Projekt unterstützen, etwa indem sie Räume kostenlos zur Verfügung stellen oder ein passendes Rahmenprogramm anbieten.
Auf der Website von Walk-in Closet finden Sie weitere Informationen zum Verein, den Standorten und zu Unterstützungsmöglichkeiten.
Digitaler Marktplatz von Crossiety
Crossiety bietet Gemeinden einen digitalen Dorfplatz mit vielfältigen Funktionen. Darunter auch einen Marktplatz, auf dem Einwohner:innen noch funktionstüchtige Gegenstände weitergeben können – von Kinderartikeln über Möbel und Küchenutensilien bis hin zur Sportausrüstung. Damit fördern Gemeinden auf einer eigenen Plattform aktiv die Wiederverwendung und Abfallvermeidung.
Die Plattform wird von der Gemeindeverwaltung als Projektträgerin finanziert. Einwohner:innen, Vereine und das lokale Gewerbe nutzen sie kostenlos. Eine Projektgruppe aus Gemeinderat, Verwaltung und lokalen Multiplikator:innen stellt die langfristige Verankerung sicher. Crossiety unterstützt Gemeinden unter anderem mit Kommunikationsmaterial oder Kampagnenideen.
Wie der digitale Marktplatz funktioniert und welche weiteren Möglichkeiten er Gemeinden bietet, erfahren Sie auf der Website von Crossiety.
Marktplätze auf Facebook, Telegram und Co.
Auf Plattformen wie Facebook, Whatsapp oder Telegram funktionieren verschiedenste Gruppen und Kanälen als digitale Marktplätze. In der Regel werden sie von Privatpersonen organisiert. Innerhalb klarer Verhaltensregeln verschenken, verkaufen oder suchen die Mitglieder Alltagsgegenstände und Dienstleistungen – von Kinderkleidern und Sportausrüstung über Werkzeuge und Möbel bis hin zu Reparaturangeboten, Pflanzentausch oder Mitfahrgelegenheiten. Der Ansatz ist niederschwellig und die Abwicklung unkompliziert.
Reparieren, Teilen und Weitergeben wird auf diesem Weg bereits sehr erfolgreich praktiziert. Mit wenig Aufwand können Gemeinden die Initiativen wirkungsvoll unterstützen – etwa indem sie lokale und regionale Kanäle bekannt machen. Sie senden so ein klares Signal: Wir fördern als Gemeinde die Kreislaufwirtschaft und schätzen das Engagement der Zivilgesellschaft.
Die Genossenschaft sinndrin.ch bietet auf ihrer Website eine Übersicht über die aktuellen unkommerziellen Markplätze in der Deutschschweiz – also Marktplätze, auf denen nicht verkauft, sondern getauscht oder verschenkt wird.
Weitere inspirierende Projekte, die dazu anregen, das Leben von Gegenständen zu verlängern und damit Ressourcen zu schonen:
Quartierflohmärkte wie Quartierflohmi Basel, Kreisflohmi in Zürich (siehe Artikel im Pusch-Magazin zu den
Das Projekt Restwert übernimmt den Weiterverkauf von nicht mehr gebrauchten Gegenständen.
Fragen zum Angebot?
Remo Bräuchi
Umweltkommunikation und Partizipation in Gemeinden
