Klimakommunikation einfach umsetzen
Gezielte Klimakommunikation hilft Gemeinden, ihre Klima- und Netto-Null-Ziele verständlich und alltagsnah zu vermitteln. Mit passenden Botschaften und Formaten wird sichtbar, was die Gemeinde tut – und wo Einwohner:innen selbst aktiv werden können.
Netto-Null braucht nicht nur Strategien und Massnahmen, sondern auch Kommunikation. Klimaschutz wird greifbar, wenn Gemeinden ihn regelmässig erklären, mit konkreten Massnahmen verbinden und im Alltag der Bevölkerung verankern.
Ideen für mehr Klimakommunikation
Die folgenden Tipps und Beispiele zeigen, wie Sie Ihre Bevölkerung mit gezielter Klimakommunikation für nachhaltiges Verhalten im Alltag sensibilisieren können.
Grundlagen
Sprechen Sie über kommunale Massnahmen und weisen Sie regelmässig auf den privaten Handlungsspielraum hin.
Verknüpfen Sie Informationen und Veranstaltungen mit den Inhalten Ihrer Klima- oder Netto-Null-Strategie.
Unterstützen Sie private Initiativen, indem Sie Bewilligungsverfahren vereinfachen, Räume für Veranstaltungen zur Verfügung stellen oder bei der Kommunikation helfen.
Überlegen Sie immer, wen Sie mit welchen Informationen ansprechen möchten, und wählen Sie die geeignete Form. Formulieren Sie aktiv und arbeiten Sie wenn möglich mit Bildern.
Der Wegweiser Klimakommunikation des BAFU unterstützt mit Anleitungen und Vorlagen kleine und mittlere Gemeinden bei der Klimakommunikation.
Mit wenig Aufwand sensibilisieren
Sensibilisierung für das Thema Netto-Null muss nicht mit einer grossen Kampagne beginnen.
Ergänzen Sie Ihre bestehende Kommunikation regelmässig mit Tipps oder Informationen zu Klima, Konsum und Energie. Nutzen Sie Inhalte von Dritten und teilen Sie etwa auf Facebook, Instagram oder LinkedIn Beiträge von vertrauenswürdigen Organisationen.
Sie erreichen damit auch Menschen, die bisher wenig Berührungspunkte mit Umweltfragen hatten. Und Sie setzen kontinuierlich kleine Impulse, die langfristig Verhalten verändern können.
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Fördern und beraten
Beratungen und Förderangebote sind etablierte Instrumente, um Hauseigentümer:innen für mehr Energieeffizienz zu sensibilisieren. Kombinierte Massnahmen können die Wirkung verstärken: Verknüpfen Sie Beratungen mit Förderangeboten und gestalten Sie den Antragsprozess einfach und übersichtlich.
Auch die Mobilität bietet vielfältige Ansätze, zum Beispiel in Form von vergünstigten Abos für den öffentlichen Verkehr oder Sharing-Angeboten. Überlegen Sie sich, wen Sie mit welchen Angeboten ansprechen möchten, und nutzen Sie passende Kommunikationsmittel.
Beispiele aus der Gemeindepraxis
Baden thematisiert die Förderangebote in einem anschaulichen Beitrag auf ihrem Umweltblog. Zudem hat Baden zusammen mit fünf weiteren Gemeinden massgeschneiderte Partizipationsprozesse zur Gebäudesanierung getestet (siehe Artikel im Pusch-Magazin «Mit Speed-Dating zu mehr Gebäudesanierungen»).
Kriens baut das Veloausleih-Angebot kontinuierlich aus. Es ist für Krienser:innen kostenlos.
Wil fördert die nachhaltige Mobilität mit Beiträgen an ÖV-Abos für Kinder und Jugendliche sowie die Anschaffung von Cargo-Bikes. Die Mobility-Mitgliedschaft war für Wiler:innen ein Jahr lang kostenlos.
Dialog und Austausch stärken
Direkter Austausch mit der Bevölkerung schafft Vertrauen und stärkt Akzeptanz. Nutzen Sie unterschiedliche Formate. Sprechen Sie an Veranstaltungen über kommunale Massnahmen und ordnen Sie diese ein. So werden sie nachvollziehbar und besser akzeptiert.
Beispiele aus der Gemeindepraxis
«So heizen die Nachbarn erneuerbar»: In Burgdorf präsentieren Einwohner:innen auf einem Rundgang im Quartier die eigenen Heizungssysteme und berichten von ihren Erfahrungen.
Winterthur versteht Partizipation als zentrales Element, um das Klimaziel Netto-Null 2040 zu erreichen. In der Veranstaltungsreihe «Klimadialog» tauschen sich Bevölkerung, Fachpersonen, Politik und Verwaltung regelmässig zu aktuellen klimapolitischen Themen aus.
Kriens und acht weitere Gemeinden haben im Rahmen des Projekts «3-2-1 heiss!» im August mit interessierten Einwohner:innen und Schulklassen die Temperaturen an heissen Orten gemessen – und gemeinsam nach Lösungen gegen die Sommerhitze im Siedlungsraum gesucht. Ebikon hat im Anschluss die Erkenntnisse veröffentlicht.
Ein Klimaspaziergang, wie ihn die Aargauer Gemeinden Lenzburg, Suhr und Niederrohrdorf durchführen, eignet sich gut, um an konkreten Standorten im Siedlungsgebiet den Klimawandel zu thematisieren und Massnahmen aufzuzeigen.
Weitere Ideen
Erweitern Sie Ihre Zielgruppen: Mit einem Auftritt an themenfremden Anlässen erreichen Sie Menschen, die sich sonst kaum aktiv mit Klima- oder Nachhaltigkeitsthemen beschäftigen – zum Beispiel mit einem Netto-Null-Stand am Wochenmarkt oder einem Klima-Fokus am Anlass für Neuzuzüger:innen.
Bringen Sie Menschen zusammen und vernetzen Sie Interessierte in einer eigenen Chatgruppe, z. B. «Netto-Null in Gemeinde X».
Privates Engagement honorieren
Auszeichnungen und Wettbewerbe schaffen Anreize für privates Engagement. Begleiten Sie die Ausschreibungen und Preisverleihungen kommunikativ – und zeigen Sie die Gewinner:innen. Menschen mögen Erfolgsgeschichten.
Beispiele aus der Gemeindepraxis
Die Zürcher Gemeinde Uster würdigt mit ihrem eigenen Nachhaltigkeitspreis ausserordentliche Leistungen in den Bereichen Nachhaltigkeit, Energie und Klima.
Der Kanton Uri zeichnet mit dem «Urner Umweltpreis» nachhaltige Projekte, innovative Ideen oder Engagements für ein intaktes Klima aus.
Die Luzerner Gemeinde Kriens zeichnet lokales Engagement für Umwelt, Klima oder Natur mit dem jährlichen Umweltpreis aus.
Gemeinsam aktiv werden
Veranstaltungen, Aktionen und Events bieten immer auch direkten Kontakt mit den Einwohner:innen und können viel bewirken. Mit interaktiven Elementen und Mitmach-Aktionen bauen Sie bei der Bevölkerung Berührungsängste ab und motivieren für mehr privates Engagement.
Wer Anlässe gemeinsam mit Vereinen, Organisationen oder anderen Partner:innen ausrichtet, reduziert den eigenen Aufwand und verstärkt gleichzeitig die Reichweite.
Beispiele aus der Gemeindepraxis
Den Autoschlüssel gegen ein Mobilitätspaket tauschen? Immer mehr Gemeinden, wie beispielsweise Emmen, motivieren im Rahmen der Aktion «31Days» Private, das eigene Mobilitätsverhalten zu reflektieren.
Am Klimatag sperrt Winterthur eine Hauptverkehrsachse. Wo sonst Autos fahren, entsteht ein vielseitiges Informations- und Unterhaltungsprogramm. Lokal verankerte Organisationen und Unternehmen sind eingeladen, sich aktiv zu beteiligen und gemeinsam für eine klimafreundliche Stadt einzustehen. Parallel dazu finden in kleinerem Rahmen die «Autofreien Sonntage im Quartier» statt. Sie ermöglichen Anwohnenden, ihren Strassenraum kreativ zu gestalten und neu zu erleben.
Am E-Mobilitätstag präsentierten Baar und Zug, wie erneuerbare Energien und Elektrofahrzeuge den Alltag der Zukunft prägen werden. Interessierte konnten sich durch kostenlose Probefahrten mit Elektromobilität vertraut machen.
Die nationale Velo-Challenge Cyclomania bietet eine gute Möglichkeit, Ihre Bevölkerung für nachhaltige Mobilität zu sensibilisieren. Die Aktion eignet sich auch gut für die Kommunikation, wie Kriens vor der Aktion und bei der Präsentation der Ergebnisse zeigt.
Weitere Ideen
Auch die Aktion Bike to Work eignet sich gut zur Sensibilisierung. Machen Sie mit und teilen Sie Ihre Erfahrungen und Resultate während der Aktion.
Ein Velorundweg, wie ihn Altstätten für die Biodiversität anbietet, eignet sich ebenfalls gut, um lokale Vorzeigeprojekte im Bereich Klima und Nachhaltigkeit sichtbar zu machen.
Mit Partizipation gemeinsam gestalten
Thun hat die eigene Klimastrategie gemeinsam mit der Bevölkerung sowie mit Akteur:innen aus Wirtschaft, Politik, Verbänden und Vereinen erarbeitet. Inzwischen zeigt die Plattform «Klima Thun 2050» die Kampagne der Stadt und lädt mit Tipps, Fakten, Projekten und Events zum Mitmachen ein.
Lenzburg (AG): In Lenzburg setzt eine Interessengemeinschaft aus Mitgliedern des Einwohnerrats auf die Mitwirkung von Bevölkerung, Wirtschaft und Politik. Die «IG Klima-Zukunft Lenzburg» begleitet den Prozess hin zur Klimaneutralität der Gemeinde seit 2021.
Die Liechtensteiner Hauptstadt Vaduz hat zusammen mit den Einwohner:innen und dem Gewerbe in begleiteten Workshops ein gemeinsames Verständnis für Nachhaltigkeit entwickelt und die Grundlagen für die Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet.
Meiringen hat 2025 im Rahmen der Strategieerarbeitung mittels E-Partizipation die Einwohner:innen eingeladen, sich aktiv mit konkreten Massnahmen einzubringen.
Neues ausprobieren
Klimakommunikation muss nicht immer einem klassischen Muster folgen. Suchen Sie nach ungewohnten Zugängen zu Klimathemen. Welche Anlässe, Geschichten oder Orte in der Gemeinde erhalten bereits Aufmerksamkeit? Verbinden Sie diese gezielt mit Klima, Energie oder nachhaltiger Mobilität. So entstehen Formate, die lokal verankert und nahe an der Bevölkerung sind.
Beispiele aus der Gemeindepraxis
Kilchberg hat für das Neujahrsblatt die Zukunftsvisionen von jungen Kilchberger:innen abgeholt und unter dem Titel «Kilchberg im Jahr 2040» veröffentlicht. Zitate daraus könnten beispielsweise auf der Website oder in den sozialen Medien verbreitet werden und so mit wenig Aufwand die Wirkung verstärken.
Riehen spielt mit einem Fussballbegriff und erzählt unter «Wir sind Champions League» mit Porträts lokale Erfolgsgeschichten aus den Bereichen Energie und Mobilität. Eine Alternative zur gedruckten Broschüre könnte eine kleine Serie von individuellen Erfolgsgeschichten in den sozialen Medien sein.
Die Fachstelle Klima der Stadt Winterthur spricht mit dem Instagram-Kanal «wintiklima» gezielt junge Einwohner:innen an und setzt auch auf andere soziale Medien (siehe Artikel «Facebook eignet sich sehr gut für die Behördenkommunikation»).
Weitere Idee
Zum Jahresende sind viele Menschen bereit, ihr Verhalten zu reflektieren. Lenken Sie den Blick spielerisch auf das Klima und fragen Sie nach Vorsätzen für das neue Jahr. Greifen Sie die Resultate auf, zum Beispiel in den sozialen Medien, und ergänzen Sie die privaten Vorsätze mit eigenen kommunalen Commitments.
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Fragen zur Klimakommunikation?
Remo Bräuchi
Umweltkommunikation und Partizipation in Gemeinden
